Web 2.0-Einsatz bedeutet auch Kulturwandel
In 2009 boomt neben den Berichten über erfolgreiche internationale Leuchtturmprojekte auch die wisschenschaftliche Berichterstattung über die Web 2.0-Entwicklung. Dabei gehen die Studien und wissenschaftliche Untersuchungen den Wirkungsmechanismen von verschiedensten Web 2.0 Anwendungen nach. Im August sind zwei spannende Berichte erschienen, die für auch für die Diskutanten des Gov2.0-Camps interessant sind.
“If the Twitter community were 100 people” (http://www.informationisbeautiful.net/2009/more-truth-about-twitter/). Basis des Berichts ist die statistische Auswertung des Verhaltens von Millionen Twitter-Nutzern. Um das Ergebnis leichter nachvollziehbar zu machen, wurde es so dargestellt, als würde die Twitter-Community nur aus 100 Personen bestehen. Die Analyse ist nicht nur für aktive Twitterer interessant. So erfährt man zum Beispiel Details darüber, wann sich ein Tweet im Durchschnitt am meisten lohnt und wie viele Follower auf einen Twitterer kommen.
In der vom BMBF geförderten Studie “Kooperative Technologien in Arbeit, Ausbildung und Zivilgesellschaft” wird über Möglichkeiten der Internetkollaboration berichtet (http://www.innovationsanalysen.de/de/download/KoopTech.pdf). Die Studie nimmt eine Klassifizierung von Anwendungen vor und stellt Fallbeispiele dar. Damit ist sie auch für Web 2.0-Starter interessant. Im Ergebnis werden sieben Akzeptanz- und Erfolgsfaktoren für Social Web Anwendungen identifiziert sowie Anwendungszenarien für die Zukunft vorgestellt.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Organisationen zunächst mit einzelnen „Leuchtturmprojekten“ beginnen sollten und dabei Personen einbinden, die aus der Organisation selbst komen und Web2.0- Erfahrungen mitbringen. “Insgesamt müssen Organisationen behutsam von ihrem überkommenen Sicherheitsdenken Abstand nehmen und sich auf eine größere Offenheit und Transparenz einlassen – nicht nur bei der Wahl der eingesetzten Kooperationswerkzeuge, sondern auch bei deren Anwendung: Viele Netzwerkeffekte, die den Reiz und besonderen Nutzen der kooperativen Technologien ausmachen, stellen sich erst dann ein, wenn eine Kultur des offenen Austauschs auch nach außen hin gepflegt wird. Dies ist mit die größte Herausforderung, mit der das Social Web die bestehenden Organisationskulturen konfrontiert…”
Das bestätigt einmal mehr, dass ein kritischer Erfolgsfaktor von Social Media nicht unbedingt die technische Machbarkeit ist. Wenn wir über Social Media im öffentlichen Bereich sprechen, geht es im Grunde eigentlich um einen Kulturwandel in Politik und Verwaltung. Die Veränderung muss in den Köpfen passieren. Ohne, dass über die Bereitschaft zur Transparenz und Kollaboration innerhalb von Organisationen Konsens herrscht, werden Social Media Anwendungen nicht erfolgreich sein.













