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Nationaler Aktionsplan Open Data: Bericht vom Meilenstein-Workshop

1. Februar 2015 – 13:31 | Kein Kommentar | 12.365 Aufrufe

Die Bundesregierung hat im Juni 2013 die Open Data Charta der G8 unterzeichnet und sich damit zu konkreten Handlungsschritten verpflichtet. Mit einiger Verspätung wurde nun ein Aktionsplan Open Data unter Federführung des BMI entworfen, der diese …

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Social Media Week Hamburg: Daten zum Sprechen bringen – und Menschen mobilisieren


get connectedAutorin: Kirsten Wohlfahrt, Government 2.0 Netzwerk, Gründerin des Stammtischs Open Government Hamburg, Mitglied im Beirat der Social Media Week Hamburg 2015

Wie bringt man Daten zum Sprechen? Was ist das Hamburger Transparenzportal oder das Portal GovData.de? Wie kann man mit offenen Daten aus Politik und Verwaltung – Open Data – arbeiten? Und wenn man selbst nicht programmieren kann: Wer hilft einem, Open Data für seine Zwecke einzusetzen?

Das waren Fragen, mit denen sich das Government 2.0 Netzwerk Deutschland e.V. in drei Veranstaltungen auf der Social Media Week Hamburg Ende Februar beschäftigt hat. Im dritten Jahr haben wir dort Sessions rund um unser großes Thema „Open Government“ und seine Facetten Transparenz, Partizipation und Zusammenarbeit gestaltet.

Her mit den Daten – der Moerser Weg zu Open Data in der Schule

Moers hat als eine der ersten Kommunen Deutschlands seit zwei Jahren ein Open Data-Portal. Das bereichert auch den Unterricht an Moerser Schulen. Claus Arndt, Referent des Moerser Bürgermeisters für E-Government und Neue Medien und u.a. zuständig für den Web-Auftritt, Social Media und das Open Data-Portal der Stadt, stellte vor, wie in Moers, der Stadt am westlichen Zipfel des Ruhrgebiets, im Schulunterricht mit Daten gearbeitet wird. Seit Frühjahr 2014 sind in einer 9., 11. und 12. Klasse am Gymnasium Adolfinum in den Fächern Politik / Wirtschaft sowie Sozialwissenschaften offene Daten im Einsatz. Unterstützt wird das Projekt von E-Government-Studenten der Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort. Ziel ist es, ein Vorgehensmodell für den Einsatz offener Daten im Unterricht zu veröffentlichen.

Würfel

Bausteine für Open Data – eines der Themen auf der Social Media Week 2015 in Hamburg.

Das Open Data-Schulprojekt lebt vom Engagement der beteiligten Personen. Es sei, so Claus Arndt, gar nicht einfach gewesen, eine Schule zu finden, die sich für das Experiment erwärmen konnte. Experimentiert haben die Schüler mit Daten zu Wahlen und zum kommunalen Haushalt. Themen, die im Lehrplan stehen, aber durchaus trockener Natur sein können. Nicht so, wenn die Informationen, die sich hinter den Daten verbergen, dazu genutzt werden, Bezug zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler herzustellen. Wo zum Beispiel haben die Menschen in der Gegend, wo die Schüler wohnen, am Wahltag ihr Kreuzchen gemacht? Wieviel Geld ist im Haushaltsplan für die Musikschule, für Jugendclubs, Sportplätze vorgesehen? Ein schöner Effekt, so Claus Arndt: Die Schüler kamen im Zuge der Daten-Auswertung immer schnell ins Diskutieren. Mittlerweile will eine zweite Schule offene Daten im Unterricht ausprobieren.

Tipps und Tricks für das Arbeiten mit Open Data

Weiter ging es mit einer „Gebrauchsanweisung für Open Data“. Wie man mit offenen Daten, zum Beispiel im Hamburger Transparenzportal oder im verwaltungsübergreifenden Datenportal GovData arbeitet, und welchen Nutzen Daten haben können – für Journalisten, engagierte Bürger, letztendlich auch das demokratische Gefüge – zeigten der Datenjournalist Martin Virtel von OpenDataCity, Christian Heise, Mitglied des Vorstands der Open Knowledge Foundation e.V., sowie Christian Horn, der seit Anfang des Jahres die neu gegründete Geschäfts- und Koordinierungsstelle des GovData-Portals leitet.

Datenportale sind quasi Suchmaschinen für Informationen – Daten, Dokumente – aus Politik und Verwaltung. Doch wenn man sie gefunden hat, dann stehen sie erst einmal da. Ohne Erklärung, ohne Bilder zu erzeugen. Das potenzielle Wissen, welches sich hinter den Bits and Bytes verbirgt, muss gehoben werden. Martin Virtel stellte das am Beispiel des Projekts LobbyPlag vor. Hier machen Journalisten durch Sortieren und Visualisieren von Informationen sehr eingängig sichtbar, wie Parlamentarier und Lobby-Organisationen in über 3.000 Änderungsanträgen Einfluss auf die künftige Datenschutzgrundverordnung der EU genommen haben.

Wer nicht selbst „Daten interviewen“, also ihren Gehalt in Geschichten übersetzen kann, der kann sich Hilfe suchen. Zum Beispiel in den so genannten OK-Labs des Projekts Code for Germany. Hier treffen Bürgerinnen und Bürger, Aktivisten, Journalisten auf Menschen mit der Fähigkeit, mit Daten zu arbeiten. Gemeinsam können sie Fragestellungen oder Projekte vorantreiben, bei denen Open Data eine wichtige Primärquelle sind.

Für konkrete Tipps und Tricks, wie man mit Daten umgehen kann, haben wir übrigens ein Pad eingerichtet. Unter https://pad.okfn.org/p/SMWopenHH kann man nachlesen, was unsere Experten zu konkreten Fragen zu Open Data geantwortet haben.

Druck auf der Straße – und im Internet

In einer letzten Session beleuchten wir politische Beteiligung im Internet – um zu erfahren, was Menschen bewegt, sich einzumischen. Online und offline. Mit Volker Gaßner, Teamleiter Presse, Recherche und Neue Medien Redaktionsleitung, Greenpeace Deutschland, sowie Dr. Kathrin Voss, Politikwissenschaftlerin und freiberufliche Kommunikationsberaterin, diskutierten wir die Chancen und Grenzen von Online-Beteiligung und Kampagnen.

Wie bewegt man Menschen - offline und online? - Im MakerHub während der Social Media Week Hamburg intensiv diskutiert

Wie bewegt man Menschen – offline und online? – Im MakerHub während der Social Media Week Hamburg intensiv diskutiert

Eine „Kampagne“ ist dabei für Greenpeace die „Inszenierung eines Streites in der Öffentlichkeit“. Kampagnen müssen Menschen emotional erreichen, um sie zu mobilisieren. Kampagnen – offline und online – funktionieren dann, wenn sie eine Veränderung im echten Leben zum Ziel haben. Reine Online-Kampagnen hätten zwar oft eine gute Wirkung, aber oft nur kurzfristig. Anhand der Detox-Kampagne von Greenpeace, die zum Ziel hat, Textikonzerne dazu zu verpflichten, bei der Herstellung ihrer Kleidung keine giftigen Chemikalien mehr verwenden, skizzierte Volker Gaßner, wie Druck auf der Straße bzw. in Jeans-Läden zielgerichtet und machtvoll dazu genutzt werden kann, etwas zu verändern.

Und wer beteiligt sich, analog oder im Netz? Es sind eher die Menschen, die ohnehin ein Bewusstsein für politische oder für sie relevante Themen haben. Kein überraschender Befund also. Wir seien bei Online-Beteiligungsverfahren daher noch im Beta-Stadium, sagte Dr. Kathrin Voss. Und das bei hohen Erwartungen der Politik an Beteiligungsquoten. Dabei sei Qualität der Beteiligung wichtiger als Quantität, so die beiden Beteiligungs-Experten auf dem Podium.

Der „Moerser Weg“: nachmachen erwünscht!

Das gilt wohl auch für den Einsatz von Open Data bei journalistischen oder Bürger-Projekten. Es ist utopisch, davon auszugehen, dass selbst bei steigender Digitalisierung der Gesellschaft die Masse ständig und stets auf Datensätze des Staates zugreifen würde. Das muss es auch gar nicht. Es kommt eben auf die „Betroffenheit“ und Ziele an. Ein guter Einstieg ist sicher der Moerser Weg, Daten in den Schulunterricht zu integrieren. Wo, wenn nicht in der Schule den Umgang mit Daten lehren – und den Nutzen von Primärquellen wie das Datenportal „meiner“ Stadt?

Natürlich ist das Moerser Schulprojekt ganz „Open Data“. Das für den Sommer avisierte Vorgehensmodell, quasi eine Anleitung, wie und mit welchen Schritten offene Daten im Unterricht eingesetzt werden können, kann dann auch von anderen Schulen oder Bildungsträgern für eigene Wege hin zu mehr „Open“ in der Schule genutzt werden. Nachmachen ausdrücklich erwünscht!

Eingereicht von auf 7. März 2015Kein Kommentar | 7.720 Aufrufe

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