Open Government … in der Praxis – eine Buchkritik
Open Government: Transparenz, Kollaboration und Partizipation in der Praxis – eine Buchkritik
Lathrop, D. & Ruma, L. (Hrsg.). Open Government: Transparency, Collaboration and Participation in Practice. O’Reilly, 2010.
In vielen Jahren wird man wohl die Veröffentlichung dieses Buches rückblickend als die Geburtsstunde der in Kanada und den USA entstandenen Open Government Bewegung ansehen. Das wäre jedoch falsch. Die Bewegung war schon aktiv und breit verwurzelt lange vor diesem Buch, und dass ihre Ideen das Weiße Haus erreicht haben ist ein Beweis für deren Tragweite.
Das Buch allerdings bringt eine Menge an Substanz in die öffentliche Debatte über Open Government und bietet eine Reihe hoch interessanter Aufsätze und Fallstudien zu vielen Aspekten von Transparenz, Partizipation und Zusammenarbeit im Öffentlichen Sektor. Die Fallstudien sind zwar meist sehr Nordamerika-spezifisch, doch viele der zentralen Ideen und Argumente sind allgemeingültig, und insbesondere die erste Hälfte des Buches (und etwas weiter, sowie in den Schlusskapiteln) leistet hervorragende Arbeit dabei, ein vollständiges Bild der Debatte zu übermitteln. Der Schwachpunkt des Buches ist das etwas zu starke Augenmerk auf Open Data sowie auf Web 2.0 gestützte Kommunikations- und Interaktionsaktivitäten setzt, und zum Beispiel relativ wenig auf konkrete e-Partizipation eingeht. Artikel über allgemeinere Implikationen und systemische Fragen von Open Government fehlen teilweise, so wie Analysen aus den Perspektiven von Public Management, den Politikwissensschaften oder der Insitutionstheorie.
Dieses Buch kann jedoch natürlich nur ein Anfang sein, und dafür ist es ein ausgezeichneter. Der Leser findet viele Artikel mit eloquent ausgebreiteten Ideen die der heutigen Funktionsweise von Regierung und Verwaltung um Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte, voraus sind.
Viele Beispiele aus der Praxis illustrieren dabei deren Machbarkeit und Herkunft auf überzeugende Art und Weise. Neben den beispielsweise besonders einleuchtenden Ausführungen von David Eaves zur Genese neuartiger offener Partizipationsprozesse, oder den nüchtern und sauber präsentierten Vorteilen für den Einsatz von Open Source Software sowie Strategien zum Umstieg von Daffara und Conzales-Barahona, sind vor allem auch die Anekdoten von Sarah Schacht zur den angestaubten Strukturen in den Legislativen, sowie die Mahnenden Worte lesenswert die Fung und Weil äußern, welche die Gefahr sehen, dass die Open Government Bewegung vor lauter Eifer mit Scheuklappen durch die Welt läuft, und vergisst worum es eigentlich gehen soll, eine offene Gesellschaft. Interessanter Stoff also, mit jeder Menge Raum für Debatte und akademischen Diskurs.
Abschließendes Urteil: Eine absolute Pflichtlektüre für Open Government Verfechter, Insider, Vordenker des öffentlichen Sektors und vor allem aber auch für Entscheidungsträger und öffentlich Angestellte. Das Buch ist eine hervorragende Sammlung von Aufsätzen und Fallstudien welche eine substantielle Basis für die Open Government Debatte schaffen. An manchen Stellen klaffen konzeptionelle Lücken und der starke Fokus auf Open Data, welches auf Deutschland oft zu wenig übertragbar ist, doch dieses Manko können – und sollen – künftige Publikationen ausgleichen.
Dieser Blog Eintrag ist eine abgeänderte Übersetzung aus dem Englischen, im Original zu lesen unter:
http://www.intellitics.com/blog/2010/07/26/book-review-open-government/













