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Nationaler Aktionsplan Open Data: Bericht vom Meilenstein-Workshop

1. Februar 2015 – 13:31 | Kein Kommentar | 12.370 Aufrufe

Die Bundesregierung hat im Juni 2013 die Open Data Charta der G8 unterzeichnet und sich damit zu konkreten Handlungsschritten verpflichtet. Mit einiger Verspätung wurde nun ein Aktionsplan Open Data unter Federführung des BMI entworfen, der diese …

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Open Discussion zur Weiterentwicklung des Open Gov BarCamps


Vor kurzem hatte Robert Basic in seinem Blog über die Notwendigkeit der Weiterentwicklung der etwa seit 2006 in Deutschland stattfindenden Barcamps geschrieben. Er hat mit dieser längst überfälligen Analyse vollkommen recht. Ich würde aber seiner Analyse – gerade auch nach dem letzten vom Club of Rome, dem Futurechallenges.org-Projekt der Bertelsmann Stiftung und dem neuen Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft gemeinsam organisierten Barcamp „How Internet Changes Our Realities“ noch einige wichtige Punkte hinzufügen, die auch für die Weiterentwicklung des Open Gov BarCamps durchaus interessant sein könnten.

Grundsätzliche Vorteile des Barcamp-Formats

Im Gegensatz zu traditionellen Konferenzen ist schon bei der Vorbereitung eines Barcamps immer intensive Teamaktivität gefragt; es gibt in dem Sinne keinen klassischen Eigner der Veranstaltung.

Das Stresslevel in der Vorbereitung ist für die Organisatoren in Folge der Teamarbeit und des aktiven Anmelde- statt passiven Einladungsprinzips deutlich niedriger

Da die Teilnahme Folge der Eigeninitiative ist, sind alle potenziellen Sessionanbieter hoch motiviert; kein Redner muss überzeugt und eingeladen werden.

Speziell die zweite Kommunikationsebene im Netz verleiht dem Event zusätzliche Dynamik.

Titel und Funktionen sind unwichtig – der Inhalt zählt.

Ableitend aus den Vorteilen des BarCamps und aus den Überlegungen von Robert Basic wären einige Modifikationen im Format des Open Gov BarCamps denkbar.

Wo gibt es Verbesserungspotenzial für das Open Gov BarCamp?

Anwendung des Prinzips der Community Manager

Außer im Falle einer Re:publica mit ihren 4.000 Teilnehmern gibt es in den meisten Fällen der BarCamps kaum eine inhaltliche Diskussion, die über die Vorstellung-1.Replik-Dynamik hinausgeht. Es wäre zu überlegen, durch eine andere Struktur der Aufbereitung der Session-Vorschläge ein System von aufeinander aufbauenden und verlinkten Open Google Docs (oder Etherpads) zu erstellen. Durch die Zuschreibung von Verantwortung auf einen Community-Manager könnte bereits im Vorfeld ein inhaltlich höheres Niveau erreicht werden, auf dem dann während des BarCamps aufgebaut werden könnte, ohne jedes Mal bei den Basics beginnen zu müssen.

Dokumentation der Inhalte

Die Dokumentation ist von großer Bedeutung, steht aber immer wieder vor dem Problem der Durchführbarkeit. Aus meiner Sicht wegweisend war dabei bspw. das Government 2.0 Barcamp im Jahre 2009. Während der Sessions hatten Studenten der Willy-Brandt-School of Public Policy im Auftrag des BMI die Diskussionen und die Inputs sehr akkurat protokolliert und danach auf einer Seite gesammelt online gestellt. Als Alternative ist vorstellbar, dass während der Sessions die Links zu kollaborativen Arbeitsplattformen verteilt werden, damit ein solches Protokoll gemeinschaftlich erstellt werden kann. Alle Inhalte müssen dann unter CC-Lizenz stehen. Schließlich ist es vorstellbar, die Session-Anbieter zur Abgabe einer Session-Zusammenfassung zu verpflichten.

Rollenklärung der Sessionanbieter

Des Weiteren ist die Durchführung der Sessions – insbesondere die Rollenklärung (ich biete die Session, weil…; ich verspreche mir von der Session, dass…) – verbesserungsfähig. Vielleicht sollte dabei an ein sehr kurzes methodisches Briefing der Session-Erstanbieter im Zuge der Sessionplanung gedacht werden.

Offenlegung der Teilnehmerlisten

Die Transparenz über die Veranstaltung insgesamt könnte neben den schon genannten Etherpads auch durch die Offenlegung der Teilnehmerlisten erhöht werden. Insbesondere aber die Offenlegung der Teilnehmerlisten muss aus Datenschutzgründen abgestimmt erfolgen. Hierzu kann in den Anmeldemasken im Netz explizit auf die Offenlegung hingewiesen werden.

Ergänzende Meetup-Formate

Das bisher nicht so verbreitete Meetup-Format wird als Co-Working-Format an Bedeutung zunehmen und in Konkurrenz (oder Ergänzung) zu manchen Barcamp-Sessions treten. Von daher ist es sinnvoll, die einmal jährlich stattfindenden BarCamps durch halbjährliche Meetups, die einen spontanen Kontakt zwischen den Experten in den Institutionen eher zulassen, zu ergänzen.

Online-BarCamps

Es könnte zunehmend Online-oder aber mehrtätige Varianten der Barcamps geben. Damit kann vermieden werden, dass der mit Barcamps befasste Teilnehmerkreis doch häufig regional oder national sehr übersichtlich ist. Die Arbeit auf Etherpads während eines realen Barcamps ist ein erster Schritt in die Online-Dimension, wenngleich noch stark ausbaufähig.

Mehrsprachigkeit

Immer wieder ist bei Veranstaltungen, die in Deutschland stattfinden, zu beobachten, es entweder “schick” ist, konsequent auf Englisch zu diskutieren oder aber auf Deutsch als Konferenzsprache bestanden wird (man ist ja schließlich in Deutschland). Gemischte Formate finden sich seltsamer Weise noch recht wenig. Das BarCamp sollte jedem Sessionanbieter die Möglichkeit bieten, seine Session grundsätzlich in jeder Sprache, die der Anbieter wählt, anzubieten. Gibt es in Folge der Sprachwahl nicht ausreichend Nachfrager, so wird diese Session ganz einfach nicht angeboten. Flexibilität und Vielsprachigkeit kann nur von Nutzen sein.

Zielgruppe

Ab und an sollte die Frage nach der Zielgruppe eines BarCamps gestellt werden. Die Kostanz der Zielgruppe ermöglicht das Aufbauen von Vertrauen zwischen Teilnehmern im Laufe der Jahre. Die teilweise Wechseln der Zielgruppe ermöglicht die Berücksichtigung neuer Ideen. Wird die Konstanz der Zielgruppe zu wichtig, so droht das BarCamp zu einer traditionellen Konferenz zu werden.

Hat die (traditionelle) Konferenz eine Zukunft?

Wahrscheinlich muss diese Frage mit „Nein“ beantwortet werden. Name dropping, teures Catering, lange Leerlaufzeiten während langatmiger Vorträge, die über die Jahre immergleichen Gesichter und lange Anfahrtswege sind Entscheidungsdeterminanten, die zunehmend gegen (traditionelle) Konferenzen sprechen – und das ist gut so.

Das Barcamp hat, weil es mit internetbasierten und damit kollaborativen Tools verbunden ist, das Potenzial, traditionelle Konferenzformate vollkommen zu verdrängen. Dies gilt insbesondere, wenn das Keynoteprinzip klassischer Konferenzen mit dem Sessionformat kombiniert wird. Kaffeetrinken und andächtig lauschen reicht den (jüngeren) Teilnehmerkreisen, die immer stärker Social media nutzen, einfach nicht mehr aus. Allerdings ist eben auch zu bedenken, dass ohne eine Weiterentwicklung irgendwann das zur Zeit allgemein akzeptierte Barcamp-Format droht, ebenfalls zum Ritual zu werden. Vielleicht müssen wir mal wieder einen Blick nach Schweden werfen: Was ist mit der Almedalsveckan?

Eingereicht von auf 29. Februar 2012Ein Kommentar | 11.552 Aufrufe

Ein Kommentar »

  • Moritz Avenarius sagt:

    Auf dem EfficiencyBarCamp des greenIT Büros des BitKom e.V. Ende Februar diesen jahres haben wir einige diese guen Anregungen umgesetzt. In jeder Session war ein „Kümmerer“ anwesend, der als erfahrener Moderator die jeweilige Sessionrunde dabei unterstützt hat ihre Diskussion zu strukturieren.
    Die Erfahrungen mit diesem Modell „BarCamp+“ waren durchweg positiv, da einige Sessions präzise und klare Ergebnisse erarbeiten konnten. Für die Dokumentation ein deutliches Plus.

    Allerdings funktioniert dies nur, wenn wie von Ole angesprochen die Rollen klar sind. Es gab einige Sessions, die recht spontan auf die Agenda kamen und in denen die Teilnehmer und auch der Sessiongeber sich erst einmal gegenseitig informieren wollten zu einem Thema. Dadurch wurden die Kümmerer hier in die Rolle des Sessionthemengebers quasi „gedrängt“ von der Gruppe. So verging viel Zeit damit, die Interessenvielfalt in der Session zu klären und das Thema zu refokussieren. Entsprechend blieb weniger Zeit um ins Arbeiten (in Hinblick auf greifbare Ergebnisse) zu kommen.

    Fazit: Partizipation und aktives Mitwirken muss auf BarCamps immer wieder geübt werden, wenn man stetig neue Personen für das Format gewinnen will. Ein Thema für sich entdecken, akiv einbringen und dann kollaborativ zu diskutieren und ergebnisorientiert zu bearbeiten ist die neue Kulturtechnik unserer Zeit.

  • […] ….. Natürlich haben Barcamps auch Schwachstellen. Ole Wintermann hat schon 2012 in einem Blogbeitrag einige benannt, Torsten Maue hat in seinem Blogbeitrag weitere “Baustellen” aufgelistet, […]

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