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Nationaler Aktionsplan Open Data: Bericht vom Meilenstein-Workshop

1. Februar 2015 – 13:31 | Kein Kommentar | 10.979 Aufrufe

Die Bundesregierung hat im Juni 2013 die Open Data Charta der G8 unterzeichnet und sich damit zu konkreten Handlungsschritten verpflichtet. Mit einiger Verspätung wurde nun ein Aktionsplan Open Data unter Federführung des BMI entworfen, der diese …

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Open Data von unten – Wikileaks veröffentlicht Afghanistan Protokolle


„Its the end of the war as you know it“ – schreibt @jmm_hamburg auf Twitter mit Verweis auf die heutige Veröffentlichung von über 90.000 geheimen Logeinträgen der US Armee aus dem Afghanistan Krieg, zusammengetragen in den Jahren 2004-2010.

Das „Afghanistan Kriegstagebuch“ wird gleichzeitig in drei Leitmedien veröffentlicht, der New York Times, dem Guardian und dem Spiegel, es wird als größter Leak in der Geschichte der Geheimdienste bezeichnet. Die Tagesschau berichtet innerhalb einer Stunde auf der Titelseite der Onlineausgabe.

Die Originallogs wurden auf Wikileaks veröffentlicht – einer Seite, die es Whistleblowern ermöglicht, anonym und sicher elektronisch geheime und zensierte Dokumente auf der Wikileaksseite zu veröffentlichen. Diese Datenbank umfasst bereits weit über eine Million geheime Dokumente, vom Tollcollect Vertrag bis zu den Handbüchern von Guantanamo.

Die Wikileaks Mission heißt „We Open Governments“

Was ist nun der Unterschied zwischen Open Government und dem „We Open Governments“ von Wikileaks? Open Government beschreibt ein transparentes Regierungshandeln, das die Bereitstellung von offenen Daten, Fakten, Prozessen und Hintergründen umfaßt. Es wird als Strategie top-down von Regierungen (oder einzelnen Verwaltungen) umgesetzt. Der Grad der Offenheit unterscheidet sich dabei erheblich.

Da, wo Regierung nicht oder unzureichend transparent sind und Bürgerinnen und Bürger dies als Mangel empfinden, wird Transparenz immer häufiger von unten hergestellt. Das Internet bietet dazu vielfältige Plattformen. Politik wird inzwischen auch durch Blogs beeinflusst, man erinnere nur an den Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler.

Mit Wikileaks gibt es seit einigen Jahren eine Plattform, die dieses Herstellen von Transparenz durch Einzelne mit geringstem Risiko ermöglicht. Auf der ganzen Welt verteilte IT Infrastrukturen, Verschlüsselungstechniken mit hohem Sicherheitsgrad und spezielle interne Prozesse stellen sicher, dass ein hundertprozentiger Quellenschutz besteht – sofern ein Whistleblower sich nicht selbst verrät. Noch nie ist eine Quelle durch das System Wikileaks aufgeflogen. Diese neue Sicherheit führte schon in der Vergangenheit zur Veröffentlichung spektakulärer Dokumente, wie zuletzt eines Videos aus dem Irakkrieg, in dem die unbegründete Erschießung von zwei Reutersjournalisten und weiteren Zivilisten aus einem Apache Hubschrauber heraus gefilmt wurde und weltweit die Schlagzeilen beherrschte.

Wikileaks veröffentlicht alle Dokumente im Rohzustand – also so, wie sie geleakt werden (nachdem alle Spuren über den Herkunftsweg beseitigt wurden). Diesmal wurden den genannten drei Leitmedien diese Rohmaterialien einige Wochen zur Analyse und journalistischen Auswertung vorab zur Verfügung gestellt.

Der Guardian hat die Daten aufbereitet, mit interaktiver Karte und der Möglichkeit zum Download. Diese Karte könnte genauso gut eine Applikation sein, die auf der Basis öffentlicher Daten erstellt wurde. Die aufbereiteten Daten – eine Auswahl der 300 wichtigsten Incidents aus über 91.000 Protokollen – ermöglichen eine einfachere Auswertung durch Dritte. Der Guardian fordert auf, mit den Daten zu spielen und eigene Analysen zu erstellen.

So werden Mechanismen und Prozesse aus dem klassischen Open Data / Open Government auch durch die Zivilgesellschaft, Nichtregierungsorganisationen und Medien angewendet. Eine transparente Gesellschaft kann dadurch von oben und von unten entstehen. Im digitalen Zeitalter haben Zensur und Klassifizierung von Dokumenten, an denen die Öffentlichkeit ein berechtigtes Interesse hat, keine Zukunft.

In sofern stellt dieser erneute Leak von Wikileaks vielleicht nicht nur das Ende des Krieges wie wir ihn kennen dar, sondern markiert auch das Ende der Gesellschaft, wie wir sie kennen. Transparenz läßt sich nicht aufhalten, auch nicht mit einem digitalen Radiergummi.

weitere Informationen

Julian Assange im Video Interview mit dem Guardian über die Afghan War Diaries

Video Tutorial beim Guardian „How to read the Log Files“

Tagesschau.de – 26.07.2010 zum Afghanistan Logbuch Leak

Eingereicht von auf 26. Juli 2010Ein Kommentar | 6.518 Aufrufe

Ein Kommentar »

  • Es ist schon befremdlich still geworden um Wikileaks und Julian Assange. Könnte natürlich auch sein, dass da im Hintergrund einge Deals abgelaufen sind. Bares, Straffreiheit bei der Vergewaltigungsgeschichte, einen gewissen Status, wie ihn nur Länder verleihen können, wer weiss? Jedenfalls fällt auf, dass nach dem anfänglichen weltweiten Hype, der seinesgleichen suchte, mittlerweile gegen Null tendiert. Grüße aus Berlin

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