Feature »

Die Open.NRW-Strategie: Mehr Demokratie 2.0 wagen

30. Mai 2014 – 10:08 | Kein Kommentar | 1.779 Aufrufe

Der Autor, Dieter Spalink, ist im Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen Projektleiter von Open.NRW.
Nordrhein-Westfalen macht sich auf den Weg zu mehr Offenheit und Transparenz. Am 27. Mai 2014 hat die Landesregierung die …

Weiterlesen »
Interviews

Interviews mit Protagonisten aus den Bereichen Open Government, Open Data, Transparenz, Partizipation, Verwaltungsmodernisierung…

Gastbeiträge

Gastbeiträge von Autoren aus der Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und Community

Debatte

Kontroverses und Aktuelles – Debattenbeiträge zu den Themen Open Government, Open Data, Transparenz und Partizipation

Veranstaltungen

Terminhinweise zu und Berichte von Veranstaltungen, Kongressen, Hackdays, BarCamps…

Praxis

Bürgerhaushalte, Konsultationen oder Datenvisualisierung – gute Beispiele zeigen, wie es funktionieren kann

Start » Debatte

Open Data = Free Data?


Darf die Verwaltung für die Bereitstellung von OpenData Gebühren erheben? Oder muss sie es sogar?

Ein gerne genutztes Argument, warum die Verwaltung ihre Daten doch bitte schön kostenfrei zur Verfügung stellen soll ist, dass die Erhebung und Speicherung der Daten doch schon mit Steuergeldern erfolgt sei – also vom Bürger und Unternehmen bezahlt und die Daten damit Allgemeingut oder öffentliches Eigentum seien.

In erster Näherung ist das sicher richtig. Wer sich aber jemals etwas intensiver mit IT Systemen im allgemeinen und der Informationsverarbeitung der öffentlichen Verwaltung beschäftigt hat, weiß, dass die Antwort nicht so einfach ist.

Auch wenn die Verwaltung-IT in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht hat, so liegen viele Verwaltungsdaten heute weiterhin noch in analoger Form – sprich: auf Papier und in Leitz-Ordnern – vor. Die Verwaltung kann damit arbeiten und ihre Aufgaben erfüllen, offensichtlich zumindest so effektiv, dass unser Staat einigermaßen funktioniert. Soll daraus OpenData gemacht werden, so sind erstmal erhebliche Investitionen in Analyse, Digitalisierung, Aufbereitung und Speicherung erforderlich – über die mit Steuermitteln bereits finanzierte Datenverarbeitung für die Erfüllung der originären Verwaltungsaufgaben hinaus.

Aber auch die bereits elektronisch vorliegenden Daten sind nicht „mal eben“ als OpenData bereit zu stellen. Sie sind in der Regel für die Verarbeitung, Korrelation und Präsentation in Fachverfahren optimiert und dazu in Datenbanken systemtechnisch strukturiert und bezeichnet. Kaum eine Verwaltung verfügt heute bereits über einen semantisch sauber aufbereiteten Datenkatalog aller ihrer Datenbestände, übergreifend über die vielen Fachverfahren, die sie nutzt. Würde man lediglich die Datentabellen 1:1 als OpenData zur Verfügung stellen, könnte niemand etwas damit anfangen, solange Schlüsselbeziehungen nicht aufgelöst sind und die Datenfelder verständlich benannt und hinsichtlich ihrer Bedeutung verständlich beschrieben würden. Und natürlich ginge es nicht darum, Verwaltungsmitarbeiter mehr oder weniger regelmäßig mit einem “Open Data Dump” zu beschäftigen, die Daten also immer wieder manuell aufzubereiten. Vielmehr müssten die bestehenden Fachverfahren mit APIs und Konnektoren erschlossen und erweitert werden, um regelmäßig einen maschinellen Abzug der Daten zu ermöglichen. Die erforderliche Vorarbeit, um aus vorhandenen Fachdaten in den operativen IT-Systemen der Verwaltungen wieder OpenData zu machen, würde also wiederum zunächst erhebliche Investitionen zur Erschließung und „Verstehbarmachung“ der Daten bedeuten – erneut über die mit Steuermitteln bereits finanzierte Datenverarbeitung für die Erfüllung der originären Verwaltungsaufgaben hinaus.

Es gibt einen Konsens, dass die Bereitstellung von OpenData natürlich weder gegen Schutz persönlicher Daten und der Privatsphäre verstoßen darf noch gegen berechtigte Sicherheitsinteressen zum Schutz der Öffentlichkeit. Niemand würde wohl ernsthaft die Veröffentlichung der Schichtpläne der Bundespolizei auf den Flughäfen fordern, auch nicht in anonymisierter Form. Aber es gibt weniger offensichtliche Sachverhalte. Statistische Bevölkerungsdaten kleinerer Gemeinden können – z.B. über die Berufsgruppe – auch schon mal Rückschlüsse auf einzelne Personen zulassen, auch wenn sie vordergründig anonymisiert sind. Solange solche Daten im Zugriffschutz einzelner Fachverfahren innerhalb der Verwaltung liegen, ist das erstmal kein Problem – als OpenData aber eben möglicherweise schon. Im Vorfeld der Bereitstellung von Verwaltungsdaten als OpenData über den originären Zweck der Verarbeitung in der Verwaltung hinaus, muss man erwarten, dass die Daten einer gründlichen, zusätzlichen Überprüfung unterzogen werden, um nicht gegen Datenschutz und Sicherheitsanforderungen zu verstoßen. Auch dies sind Zusatzkosten für die Verwaltung.

Verwaltungsdaten sind also nicht automatisch „OpenData“, es muss einiges dazu getan werden, um sie zu erschließen und bereit zu stellen. Das heißt, es kostet Personal und Geld, es muss investiert werden. Wer leistet diese Investitionen? Wiederum der Steuerzahler über die Finanzierung erweiterter Verwaltungshaushalte, auch wenn „der Steuerzahler“ heute zu 99% gar nicht weiß, was Open Data bedeutet und wozu es gut ist? Oder eben über angemessene und transparente Gebühren für OpenData, die eine Refinanzierung der Zusatzaufwände der Verwaltung über die tatsächlichen Nutzer von OpenData ermöglichen?

Die Pauschalaussage „ist doch alles schon bezahlt“ greift deutlich zu kurz und eine ideologiefreie Diskussion über die Finanzierung von OpenData sollte geführt werden können.

PS: Neben diesen wenigen Beispielen kann man sicher auch noch grundsätzliche Überlegungen anstellen, ob bei kommerzieller Nutzung von OpenData der Steuerzahler nicht per Umsatzbeteiligung einen Return-on-Invest (Invest = Steuergelder) erwarten kann. Nichts anderes wäre es nämlich, wenn die Kosten der Verwaltungshaushalte durch OpenData Gebühren bei kommerzieller Nutzung von OpenData reduziert werden könnten.  Aber das ist eher einen weiteren Blog-Beitrag wert.

Eingereicht von auf 11. September 201014 Kommentare | 33.191 Aufrufe

14 Kommentare »

  • Also gut, ich beiße an:

    Natürlich ist die Argumentation: “Open Data sollte gratis sein, weil wir bereits dafür bezahlt haben” platt und auch falsch. Ein besserer Ansatz ist vielleicht die These: Open Data ist zu wertvoll, um es hinter der staatlichen Paywall zu verstecken.

    Zu erst aber die Frage: sind Daten, die nicht frei zugänglich sind, wirklich “Open”? Beginnen wir nicht in Deutschland eine gefährliche Verwischung des Begriffs, wenn wir ihn auf “Maschinenlesbarkeit” und “Verfügbarkeit im Internet” reduzieren? Beides trifft auf die Produkte der Juris zu, dennoch würde niemand diese als “Open” bezeichnen. Die Sebastopol-Prinzipien zu Open Data bennenen Lizenzfreiheit als einen wichtigen, achten Punkt. Die zehn Thesen der Sunlight Foundation sind hier noch expliziter.

    Natürlich exisitieren all diese Forderungen auf einem Kontinuum. Der Begriff “Open Data” wird richtigerweise auch für Daten angewandt, die nicht alle Forderungen vollständig erfüllen. Grade die Lizenz- (und Kostenfrage) spielt aber eine Schlüsselrolle: unterliegen Daten einer Nutzungsgebühr, so werde ich als Weiterverarbeiter stark eingeschränkt. Jede Anwendung, die auf die Daten aufsetzt muss um deren Schutz bemüht sein. Sie kann daher z.B. nur schwer offene APIs, Mikroformate oder Dumps anbieten. Eine Weitergabe ist in der Regel verboten, damit wird auch die verteilte Entwicklung von Analyse-Tools in einem Open Source-Projekt ohne vertragliche Vorarbeit verhindert.

    Dass Sie diesen Aspekten als Vertreter eines Unternehmens nicht zustimmen ist legitim. Dann sollten Sie jedoch vielleicht auf eine Umdeutung des Begriffes verzichten und sich klar gegen das Konzept offener Daten aussprechen.

    Nicht ist auch die Herleitung der Kosten aus dem notwendigen Aufwand: hier wird so getan, als würde die deutsche Verwaltung über keine digtalen Daten verfügen, die zur Freigabe geeignet sind. Das ist falsch, die weitaus meisten Daten werden für den amtsinternen Gebrauch in geeigneten Formaten generiert und werden dennoch nicht veröffentlicht. Auch die Digitalisierung bestehender Dokumente ist Abseits der Forderung nach deren Veröffentlichung wünschenswert.

    Schließlich: Der desolate Zustand deutscher Behörden-IT ist kein Argument für Intransparenz. Er ist eines für Transparenz. Wenn innerhalb der Verwaltung keine Dokumentation zu den Verwendeten Datenformaten existiert, dann ist das ein Grund diese zu erstellen und einer öffentlichen Prüfung zu unterwerfen. Ansonsten begeben sich die deutschen Behörden auf einen Pfad, der die langfrisitige Verfügbarkeit der Informationen gefährdet und finanziell spätestens dann zum Desaster wird, wenn die nächste Version einer Applikation erstellt werden soll.

    Auch muss man auch zwischen unterschiedlichen Kostenmodellen unterscheiden: So verhindern die 4,50 Euro, die für einen Auszug aus dem Handelsregister fällig werden, eine quantitative Arbeit mit den Daten vollständig. Hier wird weiterhin von einem Einzelrecherche-Zugangsmodell ausgegangen, modernen Verfahren der Datenanalyse wird kein Raum geschaffen. Die 50 Euro, die für einen API-Zugang zur Schnittstelle des Bundesamtes der Statistik fällig werden, stellen in Kombination mit den sehr liberalen Nutzungsbedingungen einen fairen Preis für den angebotenen Service dar.

    Besonders fragwürdig jedoch ist Ihre Argumentation zum “Return-on-Invest” der Steuerzahler: der ist bei Open Data ein mehr an Transparenz, ein mehr an Teilhabe und an politischer Bildung. Das mag für CSC keine denkbare Kategorie sein, für mich als Bürger ist es eine.

  • Der Form halber weise ich mal ausdrücklich darauf hin, dass ich meine Blog-Beiträge ausschließlich aus eigene, private Meinung und als privates Mitglied des Government 2.0 Netzwerks poste. Warum das in ihrem Kommentar in irgendeinen Unternehmenskontext gestellt wird ist mir nicht klar, ich leiste mir auch private Meinungen. Und besonders ausdrücklich weise ich zurück, dass irgendetwas “für CSC keine denkbare Kategorie sei”.

  • Gut, dann danke ich Ihnen für die Klarstellung und entschuldige mich für die Unterstellung. Meine Kritik an Ihrer Argumentation bleibt jedoch inhaltlich bestehen.

  • Klas Roggenkamp sagt:

    Spannende Frage, die optimalwrweise in den Kommentaren wieder von der persönlichen Ebene wegkommen sollte.

    Denn ähnlich spontan wie Friedrich erschliesst sich mir der Widerspruch des “ist schon bezahlt” nicht.
    Gerade, weil die Argumentation davon ausgeht, dass “die” Verwaltung nur dumme Datenhaufen bei sich rumliegen hat, die nun durch das böse Open Data-Gedöns erst mühsam zu etwas sinnvollem verknüpft werden müssen.

    Das greift schon etwas kurz, oder?

    Letztlich können wir das auch in zwei Stufen teilen: das Herausgeben von vorhandenen, in sich schlüssigen Daten (kostenfrei!), dann erst das weitere, nachträgliche Aufbereiten von Daten zu einem neuen Sinnzusammenhang.

    Dieser zweite Schritt ist aber das Ziel, welches Andere mit den Daten verfolgen. Das soll gar nicht primäre oder aktuell mit Priorität anzugehende Herausforderung sein.

    Ganz banales Beispiel aus meinem Alltag: Wahlkreisdaten. Ziemlich wichtig für viele kleine Organisationen im politischen Raum. Hier sind offensichtlich alle Quellen, Zusammenhänge und Formate gegeben – aber trotzdem keine Daten frei verfügbar (in vielen Fällen). Dabei wäre der Aufwand der Veröffentlichung denkbar gering (Speichern auf einen vorhandenen öffentlichen Server).

    Daraus ein Tool zu entwickeln, welches einem Bürger seinen Wahlkreis verrät – das könnte sozusagen ein Mehrwertangebot sein, welches man kostenpflichtig machen könnte. Oder, durch die Freigabe der Daten, durch andere erstellen lassen, die das dann wiederum frei weitergeben.

    Herr Langkabel, sicher gibt es nach wie vor erschreckend viele Daten in analoger Form, ich wage auch den Begriff “Medienbruch” hier ins Gedächtnis zu rufen.
    Aber das ist ein Prozessfehler, der in jeder noch so plumpen E-Gov-Initiative behandelt wird.
    Daraus einen Fall für kostenpflichtige Daten zu machen … Oder schlagen Sie auch vor, einen ROI für die Nutzung von Strassen einzuführen? Aber hier schweifen wir schon zur Netzneutralität ab …

  • Erstmal freut es mich, dass hier jetzt mal etwas “Leben in die Bude” kommt. Blog-Posts ohne möglichst kontroverse Diskussion finde ich relativ überflüssig. Offensichtlich bedarf es ein paar Klarstellungen – kein Wunder, ich habe kein wissenschaftliche Arbeit geliefert, sondern Meinung und Interpretation.

    Also:

    Nein, ich will OpenData nicht umdeuten, ich bin als Bürger großer, begeisterter Freund möglichst offener Daten und ich wünsche mir ein Feuerwerk von Apps4Democracy Wettbewerben, ehrlich.

    Ich möchte aber die etwas dogmatische Sicht auf OpenData in der Diskussion aufweichen. Egal ob Sebastopol oder Sunlight Foundation – man kann sich Prinzipien ohne Ende ausdenken, die erstmal ganz selbstverständlich und überzeugend klingen. Irgendwann kommt aber immer mal leider die Realität ins Spiel. Ich habe in den Kommentaren auf meinen Blog kein überzeugendes Argument gesehen, dass die Bereitstellung der Verwaltungsdaten keinen Mehraufwand für die Verwaltung bedeutet. Es kostet zusätzliches Geld (Aufwand, Personal, etc.), die Verwaltungsdaten als OpenData zur Verfügung zu stellen. Wir können gerne darüber diskutieren, wieviel. Auch darüber, wieviel Daten der Verwaltung nun digital oder analog vorliegen. Das ist ganz sicher von Verwaltungsebene zu Verwaltungsebene und auch fach-thematisch sehr unterschiedlich, aber es gibt da noch viel Elend…

    Und ich ziehe auch nicht eine Sekunde in Zweifel, dass der gesellschaftliche und demokratie-stärkende Nutzen von OpenData riesig und erstrebenswert ist… ich weise nur darauf hin, dass es zusätzliches Geld kostet, diesen Nutzen zur Wirkung zu bringen.

    Es muss also eine Diskussion geführt werden, wer diese Kosten trägt. Einfach zu leugnen, dass es solche Kosten gibt, blockiert nur die notwendige Diskussion.

    Einfache Frage: Funktioniert die öffentliche Verwaltung in Deutschland? Meine Antwort ist ein definitives “Ja”, schließlich leben wir offensichtlich nicht in Chaos und Anarchie.

    Brauchen wir also OpenData für eine funktionierende Verwaltung und sollten dafür mehr Geld ausgeben? Offensichtlich nicht.

    Eine andere einfache Frage: Funktioniert die Demokratie in Deutschland? Hmmm… da wird’s schon schwieriger. Das bislang bewährte “wir machen mal, das Stimmvieh wird schon folgen” scheint nicht mehr so richtig zu laufen. Sicher guter Beitrag dazu der Spiegel-Titel “Die Dagegen Republik”. Offensichtlich wird der Bürger langsam mündiger und “unangenehm” aufmüpfig…

    Hier kommt meines Erachtens die wirkliche Wirkung von OpenData ins Spiel – OpenData macht primär keine bessere Verwaltung, es schafft die Voraussetzung für mündigere Bürger und eine bessere Demokratie.

    Und ja… das sollte uns etwas Wert sein. Ich persönlich wäre gerne bereit, dazu Steuermittel aufzuwenden. Blöderweise darf ich aber darüber nicht entscheiden…

    Es macht für mich wenig Sinn, ein Prinzip „lizenzfrei“ oder „kostenfrei“ mal einfach irgendwo hinzuschreiben und dann platt die Umsetzung zu reklamieren.

    Ja, einige Verwaltungen missbrauchen die Kostenschraube, um sich lästiger Informationspflichten durch überzogene Gebührentatbestände zu entledigen…. das m.E. flächendeckend gescheiterte Informationsfreiheitsgesetz ist mein Zeuge…

    Ja, starre Lizenzregeln würden Geschäftsmodell torpedieren, um mit OpenData was Sinnvolles anzufangen…

    Die Welt ist schlecht.

    Es bleibt für mich der Fakt:

    OpenData gibt es nicht umsonst und OpenData ist auch nicht bereits bezahlt…

    und…

    OpenData ist sinnvoll, wichtig und demokratie-stärkend…

    Lasst uns drüber reden, wie wir es finanziert bekommen. Für lau is nich‘

  • Ton Zijlstra sagt:

    Eine kurze Reaktion, aus nicht-Deutscher Sicht.

    Die Behörden haben Daten. Gesetzlich ist alles öffentlich was Behörden machen, mit nur zwei (2) möglichen Ausnahmen: Privacy und Nationalinteresse. Bürger haben ein Informationsrecht, und können alle Informationen/Daten fragen. Was einem Bürger an Informationen auf Grund dieser Fragen gegeben wird ist de facto damit öffentlich und für Alle verfügbar. Es ist den Behörden nicht erlaubt zu fragen warum ein Bürger bestimmte Informationen haben möchte um das als Entscheidungsgrund zu verwenden.
    In Kommunikation der Behörden, also auch bei der Freigabe von Daten, ist es ausserdem (in NL und anderswo) gesetzlich Pflicht ‘open standards’ zu verwenden. (In NL ist PDF open standard, und ich habe noch keinen einzigen Beambten getroffen der ODF Dokumente oeffnen konnte, obwohl seit 2008 Gesetz)

    Behörden können Geld verlangen für Daten und zwar momentan für die ‘totale Beschaffungskosten und einen angemessenen Profit’ laut EU PSI Direktive.

    Open Data geht nur um öffentlichen Daten (also wo die 2 Ausnahmen nicht zutreffen). (eventuelle Privacysorgen die aus der Verknüpfung bereits öffentlicher Daten hervorkommen sind also kein Grund nicht zu veröffentlichen. Das verlangt eine Gesetzesänderung, und/oder vor allem Prozesse mit ‘Privacy by Design’.)

    Open Data geht weiter u.a. um On-line, Maschinenlesbarkeit, freie Lizensen so das jeder gleichermassen Zugang hat, und gegen geringe Kosten.
    In den Niederlanden ist ein Gesetz in Vorbereitung das sowohl die Lizensen und Kosten weiter regelt.
    Statt ‘totale Beschaffungskosten und Profit’ soll nunmehr ‘inkrementelle Beschaffungskosten’ (so war es auch in NL bevor der EU PSI Direktive) gestattet sein. Das heisst bei papieren Dokumente das man die Kopierkosten bezahlen muss, das bei digitalen Daten aber keine Kosten mehr anfallen.
    Eine der Gründe dabei ist das Daten als Open Data mehr Wert erzeugen können dann man mit Verkauf dieser Daten einbringen kann.
    Im gleichen Gesetz werden freie Lizensen geregelt. (Creative Commons 0 als Basis). Es ist gut zu bedenken das wo es kein crown/staatliches Copyright’ gibt Lizensen überhaupt keine Diskussion sind.

    Kostet pro-aktive Datenveröffentlichung Geld jetzt bei der Start? Ja. Vor allem weil in keiner der behördlichen Arbeitsprozesse Veröffentlichung ‘by design’ geregelt ist. Es ist immer eine Art extra Handlung nachher wenn ein ‘lästiger’ Bürger danach fragt. (In NL gibt es Beambten die sich sogar trauen in diesem Kontext von Missbrauch des Informationsrechts zu reden). Deshalb haben wir diese Diskussion in diesem Moment.

    Wenn aber Veröffentlichung teil des Prozesses ist fallen keine extra Kosten mehr an. Oder nur sowie man jetzt auch Kosten hat um Accountantserklärungen zu bekommen.
    Das wird ein bisschen Zeit nehmen. Jetzt bereits sieht man beim NLschen Unterrichtsministerium, die Britische Regierung, sowie die regionalen Regierungen Spaniens, das Funktionsbeschreibungen und Arbeitsbeschreibungen in diese Richtung angepasst werden. In den USA werden bei Ausschreibungen Bedingungen gestellt die Transparenz und Open Data von Anfang an möglich machen. In Schweden kann man Research nur mit öffentlichen Mitteln finanziert bekommen wenn man damit einverstanden ist all Researchdaten als Open Data verfügbar zu stellen.

    Der Weg nach Open Data kennt viele Schritte. Was man sieht ist das Behörden wenn sie den ersten Schritt richtung Open Data machen denken das sie bereits Open Data machen. Zur gleichen Zeit benutzen andere Behörden das als Grund überhaupt nichts zu machen (wir haben schon alles in PDF on-line!), oder keine weiteren Schritte zu machen.
    Es ist nicht besonders nützlich als Apologet dafür auf zu treten. Zu leicht wird es dann nämlich gar nichts zu tun ‘weil ja noch nicht alles perfekt geregelt ist’.

    Die Open Data Entwicklungen in Deutschland stehen nicht auf sich selbst, sind eingebettet in der EU und Entwicklungen anderswo. Gelerntes und Research von anderswo gilt es den Behörden zu zeigen und zusammen zu lernen wie man den nächsten Schritt macht.

    Dabei ist es gut ein zu sehen das man nicht von heute auf morgen alles pauschal geregelt haben sollte. Fang mal an mit Datensätze die man ‘so’ bekommen kann, und hilf die zuständige Behörde das als Open Data zu machen. Mit jedem Open Datasatz wird es für den Behörden schwieriger den nächsten Schritt nicht zu machen. Behördlicher Kulturänderung fängt mit Benehmensveränderung einzelner Beambten an. Zugleich kann man dann gemeinsam lernen wie man die neue Fragen die Open Data aufwirft (zB das unsere bisherige Lösung für Privacy, anonymisierung und Aggregation auf der Dauer nicht wirksam ist) beantworten sollte. Ein Grund erstmal über Lizensen und Kosten es unmöglich zu machen das raus zu finden, und so künstliche Schwellen ein zu richten weil man Angst hat was dahinter liegt ist aber nicht hilfreich. Es gilt die Behörden davon zu überzeugen.

  • Ton Zijlstra sagt:

    Vielleicht noch als Ergänzung des Satzes “Open Data mehr Wert erzeugen können dann man mit Verkauf dieser Daten einbringen kann”, wie Open Data Behörden hilft Geld zu sparen, mehr Geld einzunehmen.

    Die Daten sind nicht nur für kommerzielle Nützung oder Transparenz/demokratische Kontrolle nützlich.

    Wertschaffungsgebiete die ich zur Zeit sehe sind:

    1 Mehr Transparenz
    2 Mehr Partizipation und Selbst-Empowerment (Bürger die mit den Daten für sich und ihre Umgebung was machen).
    3 Verbesserung von kommerziellen Produkten und Services
    4 Neue kommerzielle Produkte und Services
    5 Stimulator von Innovation
    6 Verbesserung von behoerdlichen Services an Bürger
    7 Neue behoerdlichen Services an Bürger
    8 Effiziensverbesserung bei Behoerden
    9 Effektivitätsverbesserung bei Behoerden
    10 Neues Wissen / neue Einsichte

    1,2, 8, 9 verringern die Kosten für Behörden, und machen sie letztendlich kleiner
    3,4,5, 10 steigern die Steuereinnahmen von Behörden.
    6,7 steigern den Wert der Behörden für Bürger.

    Für alle 10 gibt es bereits Beispiele. Versuche mit den Daten Geld zu verdienen als Behörde ist nur wirklich logisch erklärbar wenn man nur 3 und 4 als potenziellen Wert sieht (die Firmen verdienen doch auch Geld mit unseren Daten!), 1 schon geregelt glaubt, und Blind ist für die anderen sieben Punkte.

    Wie Chris Taggart sagte: Open Data is such a no-brainer, that the burden of evidence is on those who don’t want to do it.

  • Ich finde es falsch, die Forderung nach liberalen Lizenzmodellen und einem vorsichtigen Umgang mit Bezahlmodellen hier als Dogma darzustellen. Mit dem Verweis auf die beiden Forderungskataloge wollte ich darstellen, dass der Begriff “Open Gov Data” recht gut umrissen ist.

    Dass diese Defintion nicht mit der Realität vereinbar ist, ist falsch. Beispiele: die Vereinigten Staaten, England, die Niederlande, Norwegen, Finnland, Neuseeland, Australien, Kanada, Frankreich. Dort (und in vielen Staaten) wurde Open Data im Sinne dieser Prinzipien auf regionaler oder staatlicher Ebene als Regierungsziel übernommen und es wird an einer Umsetzung gearbeitet.

    Wenn wir hier die Kostenfrage irgendwie erschließen wollen, dann müssen wir von einem Schwupp-Fertig-Modell von Open Data weg. Niemand verlangt, dass der Staat alle Daten – analog oder digital – sofort frei gibt. Aber es gibt “low-hanging fruits”, Daten die bereits Daten sind und bereit stehen aber nicht unter freien Lizenzen veröffentlicht werden. Können wir nicht die frei geben und dann über das hinterste Microfiche im Staatsarchiv und Wachpläne an Flughäfen philosophieren? Auch das kostet Geld, ja, bleibt aber sehr überschaubar. Ein europäischer Staat gibt grade 60k EUR für eine OD-Infrastruktur aus.

    Meine größte Befürchtung als OD-Hacker ist es, dass Open Data zum IT-Monsterprojekt wird, indem alle Daten perfekt “aufbereitet” und durch einen zentralistischen Veröffentlichungsprozess getrieben werden. Das funktioniert nicht, erzeugt keinen Wert und ist teuer. Wir brauchen ein iteratives Modell zur Freigabe von Regierungsdaten. Dies soll meinetwegen zunächst anfragegetrieben sein, mit von einem gemeinsamen Ziel getriebenen Einzellösungen. Und: wir brauchen Rohdaten, keine arbeitsaufwändigen und informationsarmen Zweiterzeugnisse.

    Ja, die Verwaltung funktioniert. Das heißt aber noch nicht, dass die Art in der sie ihre Daten hält nachhaltig ist. Wie gesagt: hier auf eine Verbesserung abzuzielen ist auch abseits von Open Data ein lohnendes Ziel, und “Veröffentlichbarkeit” könnte als ein wichtiger Faktor für die Qualität der entwickelten Infrastruktur heran gezogen werden.

    Es bleibt: natürlich kann man Daten für 7 Euro pro Datenbank-Zeile ins Netz stellen. Aber erstens zeigen mittlerweile viele Studien, dass ihr kommerzielle Nutzung dadurch weitgehend unterdrückt wird. Es entstehen so einfach weniger neue Geschäfte und somit auch weniger Steuern.

    Zweitens werden die Daten dadurch jedoch für “Open Government” weitestgehend unbrauchbar: wenn ich die Daten nicht weitergeben kann, kann ich nicht kollaborativ Apps entwickeln. Und ich hab auch nicht das Geld, es alleine zu tun. Journalisten können die Quelle ihrer Stories nicht wie beim Guardian zusammnen mit der Geschichte veröffentlichen. Wissenschaftler können die Daten nicht zusammen mit anderen Quellen in einem Linked Data Web verflechten. Wir brauchen die Daten als Plattform, und zwar als eine öffentliche.

    Man muss also zwischen Demokratiemotor und Kostendeckung abwägen. Natürlich ist es nicht gratis, aber viele Rechnungen (z.B. Steinberg’s neue Studie, Power of Information) zeigen, dass es sich ökonomisch wie politisch lohnt, auf Kostendeckung zu verzichten.

  • christianhauck sagt:

    Background ich arbeite innerhalb einer Firma an grossen Reportingsystemen. Bin hier durch link von pudo – und Ton kenn ich indirekt, virtuell.

    Zu Systemdesign und Kosten: das Argument waere wahr wenn die internen Daten und Systemlandschaft schon gut waere fuer interne Zwecke, und dann “open data” extra Kosten erzeugt, wie im mittleren Absatz des Posts beschrieben.

    Wenn man das Modell aber langsam umkehrt, naemlich intern mit “open data” logik auf der Datenbereitstellungsebene arbeitet, und dann auch die eigenen Auswertung / Berichtssysteme auf diese Services schauen laesst (anstatt dort geschlossene Silos zu bauen, operationelle, transaktionale Systeme gemischt mit Statistik, Reporting, etc., alles in einem grossen Systemmonster), dann ist das zunaechst ein kleiner Mehraufwand. Der aber extrem viel Potential freisetzt. Und der danach die Wiederverwendung viel einfacher macht. Behoerdenintern, und uebergreifend.

    Zum Beispiel die Qualitaetsdiskussion: die Interpretation / Verknuepfung von open data ist ein kreativer Vorgang. Der Auswertende hat die Verantwortung. Und wenn er das tut schoepft er Wert. Das kann ein externer moeglicherweise besser als ein oeffentlicher Angestellter.

    Und dafuer braucht man nicht erst die perfekte Ontologie / Semantik / Metadaten …. Ich hoere diese Diskussion firmenintern seit 20 Jahren, wir verbraten Million um Million ohen grosse Erfolge und ich glaub nicht mehr daran. Es geht auch ohne. Gebt die Daten einfach frei, lasst sie die Leute draussen interpretieren. Aber dann muss klar sein dass die Verwendung ein kreativer Akt ist, also die Verantwortung nicht bei dem liegt der die “Rohdaten” zur Verfuegung stellt sondern bei dem der davon Teile selektiert, andere nicht, dann irgenwelche Rechnungen mit anstellt, dann das ganze irgendwie aufbereitet.

  • [...] Frage hat Thomas Langkabel auf der Webseite des Governement 2.0 Netzwerks mit seinem Blogpost “Open Data = Free Data?” eine kleine aber feine Debatte über Verständnis, die Kosten und den Return-on-Invest von Open [...]

  • Erstmal: toll, dass es diese Diskussion auch hier her geschafft hat und das sie bisher eher sachlich geführt wird. Vieles richtige wurde in den Kommentaren schon gesagt.

    Dennoch zu den Aufmacherfragen:
    > Darf die Verwaltung für die Bereitstellung von OpenData Gebühren erheben? Oder muss sie es sogar?

    Nein und nochmals nein. Dass es zur Zeit leider trotzdem passiert ist (wie erwähnt) wirklich dem flächendeckend gescheiterte Informationsfreiheitsgesetz geschuldet.

    > Ein gerne genutztes Argument, warum die Verwaltung ihre Daten doch bitte schön kostenfrei
    > zur Verfügung stellen soll ist, dass die Erhebung und Speicherung der Daten doch schon mit
    > Steuergeldern erfolgt sei – also vom Bürger und Unternehmen bezahlt und die Daten damit
    > Allgemeingut oder öffentliches Eigentum seien.

    Richtig, bis auf die Bereiche Datenschutz und nationale Sicherheit sehe ich das genau so.

    > Die Pauschalaussage „ist doch alles schon bezahlt“ greift deutlich zu kurz und eine ideologiefreie
    > Diskussion über die Finanzierung von OpenData sollte geführt werden können.

    Ich weiss nicht, in welcher ernsthaften Debatte der Punkt aufkam, dass das Veröffentlichen von strukturierten Regierungsdaten keine Kosten verursachen würde. Genau wie es unbestritten ist, dass es sogar Kosten verursachen kann, selbst bereits elektronisch vorliegenden Daten zu Veröffentlichen. Dennoch wirken Gebühren hier allein als Regulator für Anfragen. Die Kosten, von denen hier für die Bereitstellung gesprochen wird, werden allein durch Gebühren niemals gedeckt werden.

    Wer allerdings glaubt, dass sie eine gut informierten Öffentlichkeit als zentraler Wert der repräsentativen Demokratie jemals über Gebühren refinanziert werden kann oder wird, der irrt gewaltig. Auch die Überlegung, bei kommerzieller Nutzung von OpenData per Umsatzbeteiligung einen Return-on-Invest zu erwarten ist genauso müßig wie unsinnig wie unmöglich. Jeder der sich im Rahmen von ÖPPs mit dieser Frage beschäftigen muss, wird schnell feststellen, dass eine “Umsatzbeteiligung” hier nicht gar nicht möglich geschweige denn überhaupt erlaubt ist.

    Die Verwaltung – insofern man davon überhaupt pauschal sprechen kann – schiebt das Problem mit Ihrem aktuellen Handeln nur in die Zukunft, denn bei stetiger Verwaltungsmodernisierung werden jetzt geschlossene Systeme geschaffen, die in Zukunft wieder geöffnet werden müssen. Der Punkt ist bei den meisten Befürwortern von OpenData auch nicht, dass sie sofort jede Datei offen sehen wollen. Es geht hier um die Etablierung des Prozess sowie einer Modernisierung der Verwaltungskultur. Heute müssen die Grundlagen für Morgen geschaffen werden. Systeme müssen grundsätzlich in der Lage sein, strukturiert und dokumentiert Daten freizugeben.

    Open Data ermöglicht das Konzept der Bürgerschaft als ständigen Leistungsverstärker in dem “Dienstleistungsunternehmen” Staat. Das fängt dabei an, dass man Frau Dr. Maika Jachmann, Referatsleiterin Deutscher Bundestag Referat für Online-Dienste, auf der re:publica überzeugen muss die Textversion von Protokollen wieder anzubieten (was auf einmal kein Problem mehr war) und endet damit, dass man immer wieder nach Daten fragen muss. Regierungsdaten müssen geöffnet werden, eine reine Kosten-Nutzen-Debatte bringt uns nicht weiter. Denn im Nachhinein kostet sie den Steuerzahler mehr als sie ihm nutzt :)

    Und ja, “Open Data” ist gleich “Free Data”. Die Idee hinter Open Data kann nur dann “demokratiefördernd” und ein “Segen für eine Volkswirtschaft” sein, wenn sie mindestens die fünf Kriterien Freier Zugang, Nachnutzung, Abwesenheit technologischer Restriktionen, Weitergabe und Attribution erfüllt sind. Einen klassischen und einfachen ROI bei “demokratiefördernd” und “Better Governance” zu ermitteln scheint mir fast unmöglich. Allein deshalb, weil Demokratie keine Ware ist. Dennoch kann Open Data ein business case sein und das macht es ja so interessant.

    Ähnlich wie bei allen Themen rund um elektronische Demokratie oder elektronisches Regieren ist die Frage nach dem “Ob” (Open Data kommt) schon bald beantwortet, jetzt geht es aber um die Gestaltung des “Wie” (kommt Open Data). Hoffentlich nicht so, wie in diesem Blogpost angedacht.

    Mehr dazu auch in den Best Practices for “Open Government Data” von Joshua: http://razor.occams.info/pubdocs/opendataciviccapital.html

    P.S.: Um die Debatten zu den “Arbeitsverhältnissen” der Autoren in diesem Blog zu erledigen und auch aus Interesse heraus: Könnt ihr auf der Autoren-Seite dieses Blogs nicht mal schreiben, wer von euch für welche privaten Firmen arbeit, die zum Teil Ihr Geld mit den Themen verdienen über die Ihr hier schreibt?

  • [...] Langkabel stellt auf dem Blog “government 2.0 netzwerk deutschland” die provokante Frage, ob für die Bereitstellung behördlicher Daten (OpenData) Gebühren [...]

  • Herr Langkabel, Ihnen gebührt Dank eine Debatte angestossen zu haben. Ihre Argumentation ist inhaltlich dank der fundierten Beiträge meiner Vorredner widerlegt. (Danke an Friedrich, Klas, Ton und Christian). Was aber auffällt, werter Herr Langkabel: Sie fordern eine “ideologiefreie Diskussion”. Mit ihrer eigenen Wortwahl,

    “dogmatische Sicht”, “Pauschalaussagen”,

    wie auch mit Formulierungen wie:

    “Es macht für mich wenig Sinn, ein Prinzip „lizenzfrei“ oder „kostenfrei“ mal einfach irgendwo hinzuschreiben und dann platt die Umsetzung zu reklamieren.”

    und

    “Einfach zu leugnen, dass es solche Kosten gibt, blockiert nur die notwendige Diskussion.”

    und

    “Die Pauschalaussage „ist doch alles schon bezahlt“ greift deutlich zu kurz und eine ideologiefreie Diskussion über die Finanzierung von OpenData sollte geführt werden können.”

    .. erwecken Sie jedoch den Eindruck, als disqualifizieren Sie ihre potentiellen Diskussionspartner vorab. Herr Langkabel: Natürlich können wir ohne Vorbehalte über Preismodelle diskutieren. Niemand hat behauptet Open Data sei umsonst zu haben. Natürlich wird es den Staat Zeit und Geld kosten die Daten des öffentlichen Sektors zu öffnen. Und ja, das wird natürlich von unseren Steuergeldern finanziert – von was auch sonst. Ob diese Öffnung in jedem Fall “erhebliche Investitionen” bedeuten muss ist ihre Behauptung. Die Erfahrungen in anderen Ländern haben gezeigt, dass das Veröffentlichen der Rohdaten in kurzer Zeit mit wenig Geld realisiert werden kann. Siehe hierzu die Empfehlungen der W3C Arbeitsgruppe eGovernment Interest Group 2009: “Publishing Open Government Data”.
    http://www.w3.org/TR/gov-data/

    Darüber hinaus gibt es mittlerweile zahlreiche Studien die allesamt auf eines Hinweisen: das der wirtschaftliche Nutzen der Öffnung von Daten des öffentlichen Sektors (mit einem Preismodell bei der Preis für die Nutzung der Daten gegen Null tendiert), die potentiellen Gewinnen aus einer Vermarktung dieser Informationen übersteigt.

    Falls Sie diese Studien nicht kennen sollten, die Lektüre lohnt sich:

    – Models of Public Sector Information Provision via Trading Funds
    http://www.berr.gov.uk/files/file45136.pdf

    – Studie „Measuring European Public Sector Information Resources“ (MERSIi)
    http://ec.europa.eu/information_society/policy/psi/index_en.htm

    – Assessment of the Re-use of Public Sector Information (PSI) in the Geographical information, Meteorological Information and Legal Information Sectors
    http://ec.europa.eu/information_society/policy/psi/docs/pdfs/other_activities/micus_report_december2008.pdf

    – PIRA Studie „Commercial exploitation of Europe’s Public Sector Information
    http://ec.europa.eu/information_society/policy/psi/docs/pdfs/pira_study/commercial_final_report.pdf

  • Zumindest mal ein bisschen zwischenzeitliche Aufarbeitung von meiner Seite…

    Richtig gute, substantielle Argumente in den Kommentaren auf meinen Blog-Beitrag, vielen Dank an alle Kommentatoren, ich kann’s kaum erwarten, mit euch allen auf dem Gov20Camp in Berlin beim Bier in der bayerischen Landesvertretung “die Klinge zu kreuzen” ;-)

    Vorneweg: 90% der ganzen Argumente unterschreibe ich sofort, vor allem die reflektierten Betrachtungen von Ton Zijlstra finde ich ausgesprochen hilfreich.

    Daran möchte ich auch mal anknüpfen, vor allem an den Schluss seines Ergänzungskommentars zum „no-brainer OpenData“.

    Es gibt so einige „no-brainer“, sprich Selbstverständlichkeiten…

    selbstverständlich sollten kein bedrohten Tierarten gejagt werden…
    selbstverständlich sollte der Regenwald nicht gerodet werden…
    selbstverständlich sollten Politiker das Allgemeinwohl mehr im Auge habe als den Machterhalt…
    selbstverständlich sollten Frauen und Männer gleichberechtigt sein…
    selbstverständlich sollten Managergehälter noch irgendein Maß kennen…
    selbstverständlich sollte in der Verwaltungs-IT das Rad nicht ständig neu erfunden werden…
    und
    selbstverständlich sollten alle den Nutzen von OpenData begreifen und OpenData begeistert umsetzen…

    … aber leider gibt es sowas wie einen Kontext, ein Erfahrungs- und Lebensumfeld, eine Realität, die so manche Selbstverständlichkeit aus ihrer Zwangsläufigkeit reißt.

    Ein Bauer im Regenwald macht keine Brandrodung aus Jux und Tollerei, sondern weil er die grundlegendsten, existentiellen Bedürfnisse seine Familie befriedigen muss. Nicht irgendwann, sondern jetzt, sofort.

    Ein Verwaltungsbeamter sperrt sich nicht gegen Transparenz und die Öffnung der Verwaltungsdatenschatzkammern, weil er die Jungs und Mädels von der OpenGovernment Fraktion ärgern will, sondern weil er in Vorschriften und Verhaltensweisen feststeckt, die ihm enge Fesseln anlegen. Und weil es ein ganz neues Denken erfordert, wenn plötzlich „irgendwer“, „ohne Begründung“ und „ohne Antragsverfahren“, „mit großem Selbstbewusstsein“ und „ganz ohne Demut“ die Herausgabe der Verwaltungs-Kronjuwelen verlangt.

    In beiden Fällen lohnt es sich selbstverständlich, Veränderungen herbei zu führen und wer das nicht anstrebt, möge der ewigen Verdammnis anheim fallen…

    Beleuchten wir mal etwas den Kontext der Forderung nach OpenData in der deutschen Verwaltung.

    Die deutsche Verwaltungsmentalität ist mit der niederländischen schwer vergleichbar. Meiner Meinung nach liegen wir in Deutschland gefühlt so etwa 5-6 Jahre zurück im Verwaltungsmodernisierungsfortschritt. Wir sind noch überwiegend im Modus “Ordnungsgemäßer-Vollzug-von-Gesetzen-und-Vorschriften-koste-es-was-es-wolle-na-gut-dann-eben-dienstleistungsorientiert”. Das Standardkostenmodell ist nicht ohne Grund in den Niederlanden und nicht in Deutschland erfunden worden. Deutschland kupfert ab, erfreulicherweise.

    Wenn die deutsche Verwaltung ein IT-Projekt aufsetzen möchte, ist das keine ganz einfache Sache. Sie wird dabei kritisch beäugt von Bundes- und/oder Landesrechnungshöfen, von der Kommunalaufsicht, der Revision oder von Vergabekammern.

    Und sie muss Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen erstellen und vorlegen. Schon bei E-Government 1.0 kamen wir da in die Bredouille – regelmäßig ergaben sich in den Wirtschaftlichkeitskalkulationen „negative Kapitalwerte“, sprich: der errechnete Nutzen INNERHALB der betrachteten Verwaltung blieb hinter den kalkulierten Kosten zurück. Kein Wunder eigentlich, schließlich wollte ja sogar E-Government 1.0 schon hauptsächlich den Nutzen beim Bürgern und den Unternehmen stiften. Das gaben aber die vorgeschriebenen Methoden zur Berechnung der Wirtschaftlichkeit nicht her… „Nutzen außerhalb der Systemgrenzen? – Esoterik!“

    Geheilt werden konnte das nur mit zusätzlichen „qualitativ-strategischen“ Nutzenargumenten, die aber immer gegen den „negativen Kapitalwert“ schwer zu verteidigen waren.

    Und jetzt kommen wir mit OpenData und seinem volkswirtschaftlichen- oder gar seinem demokratiestärkenden Nutzen… nur extrem masochistisch veranlagte Verwaltungsmitarbeiter werden sich darauf freuen, solche Projekte dem jeweiligen Rechnungshof zu erklären. Und ich bleibe dabei… OpenData wird initiale IT Projekte in der Verwaltung erfordern, weil OpenData eben nicht nur rum liegt und nur noch ins Fenster gestellt werden muss – selbst in rudimentärer Form, ohne “veredelte” Darreichung.

    Noch ein plastisches Beispiel für den Kontext in Deutschland:

    Wir haben es offensichtlich nötig, einen weiteren „no-brainer“ sogar ins Grundgesetz zu schreiben, um wenigstens ein Mindestmaß an Umsetzung zu versuchen. Mit der letzten Föderalismusreform hat der unscheinbare Artikel 91d der Licht der Öffentlichkeit erblickt:

    „Bund und Länder können zur Feststellung und Förderung der Leistungsfähigkeit ihrer Verwaltungen Vergleichsstudien durchführen und die Ergebnisse veröffentlichen.“

    Lassen wir uns diesen Satz mal langsam durch die Synapsen wehen… wenn das keine Selbstverständlichkeit ist… aber halt… „können“??? Konjunktiv???

    Das zeigt mehr als deutlich, wie weit die deutsche Verwaltungsrealität wirklich ist. Und wenn man sich mal ansieht, wie viele veröffentliche Leistungsvergleichsstudien der Verwaltungen von Bund und Länder es denn nun inzwischen gibt, dann ist das schon einigermaßen ernüchternd.

    Und hier erwarten wir offene Ohren und Arme für OpenData Projekte?

    Ton Zijlstra hat Recht, hier hilft nur Langmut, Geduld, eine Politik der kleinen Schritte und das Überzeugen mit guten Beispielen, ganz besonders in Deutschland.

    Wichtig ist mir, die Verwaltung nicht zu überfordern. Sie kann und darf nur im Rahmen der bestehenden Gesetze und Vorschriften handeln. Wenn wir da Änderungen brauchen – und davon bin ich überzeugt, siehe z.B. Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen und Systemhorizonte für Nutzenbetrachtungen – dann sollten wir damit die Auftraggeber der Verwaltung adressieren, sprich: die Politik. Nur sie kann der Verwaltung die erforderlichen Rahmenbedingungen setzen, um OpenData Wirklichkeit werden zu lassen. Hier bin ich mehr als gespannt, wie das in Nordrhein-Westfalen funktioniert. Immerhin stehen dort Open Government und Apps4Democracy Wettbewerbe im Koalitionsvertrag. Ich warte stündlich auf Umsetzungsaktvitäten mit Vorbildcharakter. Auch im Hinblick auf die Finanzierung von OpenData.

  • Ton Zijlstra sagt:

    Thomas schreibt:
    “Und jetzt kommen wir mit OpenData und seinem volkswirtschaftlichen- oder gar seinem demokratiestärkenden Nutzen… nur extrem masochistisch veranlagte Verwaltungsmitarbeiter werden sich darauf freuen, solche Projekte dem jeweiligen Rechnungshof zu erklären.”

    Es gibt eine viel längere Liste als nur die zwei Gründe warum OpenData sich ausrechnet. Einer davon ist das es Behörden mit OpenData leichter und billiger wird ihre eigene Verwaltungsziele und policy goals zu erreichen. Ich erwarte nicht das Beamten das ganze machen weil jemand anders darum fragt und den Nützen davon hat, das erwarte ich von der Führungsebene (denn das Wirtschaftpotential liegt viele Milliarden höher als die potentiellen Einnahmen bei Datenverkauf). Aber OpenData hat intern auch sehr viel Sinn, und wer sich das nicht ausrechnen kann ist seinen Gehalt nicht wert. Manager sehen OpenData bis jetzt aber nicht als Instrument auf dem Weg die eigene Ziele zu erreichen. Da ist Aufklärung gefragt. Wie gesagt, Beispiele gibt es dazu bereits genug. (zB in GB sind die National Archives am meisten am data.gov.uk beteiligt ‘damit wir sicher wissen das alle Informationen wenn sie bei uns in den National Archives eintreffen in 30 Jahren so verfügbar sind wie wir sie auch gut archivieren können’. Dazu arbeiten jetzt eine Handvoll (!) Mitarbeiter in Teilzeit daran, weil man sich damit in 30 Jahren Millionen und aber-Millionen sparen kann. Der langfristige ROI is da gewaltig.)

    Dabei werden jetzt natürlich auch schon viele Kosten gemacht die man sich leicht sparen kann: Wieviel spendieren die Behörden jetzt um fragen von Bürger zu beantworten? Wieviel würde es noch kosten wenn die meisten Bürger das selbst rausfinden könnten, und man selbst die restierende Fragen schneller und besser beantworten kann weil man selber als Beamte jetzt auch endlich weiss wo man die Infos und Daten finden kann? Habt ihr schon mal nachgefragt was Erfüllung des Informationsrechtes jetzt kostet? Und wieviel Frust solche Arbeit bei Beamten aufruft weil sie nicht die Zeit dazu bekommen, und es ihnen deshalb von der ‘eigentlichen Arbeit’ weg hält?

    Zweitens ist das hier mE keine IT-Frage, und es als solches zu betrachten eine Sackgasse. Es scheint bei IT-Projekte nur immer gross und complex sein zu können, sonst bringt’s dem Ego der IT-ler und der Politiker nichts. In den letzten zwei Jahren habe ich in NL immer wieder darauf hingewiesen wie saubillig diese Projekte in Sachen IT eigentlich sind….wenn man die die sich technisch wirklich auskennen fragt. Herkömmlichen IT-Lieferanten der Behörden sträuben sich da aber oft, denn das ergibt Kontrakte die nicht mit ihrer eigenen Betriebswirtschaft vereinbar sind. Und Beamten/Manager glauben kaum das es wahr ist, oder trauern den verhofften Glanz der Statusprojekte nach. Ein klassisches Innovators-Dilemma.
    zB: bei allen existierenden OpenData Kataloge in der EU die von Behörden gestartet sind, sind die direkten IT-Kosten auf höchstens einige zehntausend Euro begrenzt. Wenn’s nicht unter 30k geht, fragt man den Falschen. Einige Beispiele (Baskenland, Piemonte) haben es ganz ohne IT-Kosten gemacht, innerhalb den existierenden Wartungskontrakten. Behörden müssen dabei schon in der Lage sein die richtigen technischen und funktionalen Bestimmungen zu definieren (denn das kostet nichts, bringt aber vieles). Wenn man das bei jede neue Ausschreibung schon mal machen würde (und die benötigten gesetzlichen Voraussetzungen bez. open standards sind schon längst da), wäre schon viel gewonnen und gespart.
    Die wirklichen Kosten liegen, bis sich die Arbeit der Beamten auf ‘Open’ hat umschreiben lassen (wie vielerorts jetzt langsam in der EU passiert), in Organisation und Prozesseinbetung. Das sind aber Änderungskosten, keinen permanenten.

    Ein genereller Businesscase für Open Data gibt es denke ich nicht. Aber spezifische Businesscases für bestimmten Behörden und bestimmten Bereiche und Datensätze gibt es sehr wohl und zwar so das ‘the burden of evidence’ tatsächlich bei denen liegt die es nicht machen wollen. Sowohl wenn’s um Kosten sparen geht, als um mehr Effekt der eigenen Arbeit. Wer sich nicht selbst ausrechnen kann das es ein no-brainer ist, kann gerne mich fragen. :)

    Eine etwas mehr dystopische Sichtweise ist das mit Open Data die Disruptionswelle der allgemeinen Digitalisierung jetzt die Verwaltung erreicht, sowie es Verleger und Musikindustrie auch schon geschah. Die Diskussion über Lizensen, sich bezahlen lassen für Daten usw., und allgemeinen Angst für was kommt, ist dann die allergische Reaktion der nicht mehr zu rettenden Körperteile der Verwaltung. Es liegt völlig an der Verwaltung selbst ob sie die Fieberkrise übersteht oder zum terminalen Patienten wird. Wie bereits gesagt, als Apologet auf zu treten für diese allergische Responsen wird dabei nichts bringen und den Tot nicht fernhalten.
    Man löst das Innovators-Dilemma, oder man geht unter (und das is dann wieder nicht Dystopie sondern Empirie :) ).

    Also: freie Lizensen, ja. kostenlose Daten, ja. Es geht letztendlich nicht anders. (Dazu: jede Kostenschwelle/Einschränkung bringt Ungleichheit).

    Aber: jetzt direkt? Nein, es wird schrittweise gehen. Es braucht Dialog und Zusammenarbeit zwischen ‘uns’ und die Verwaltung. Es braucht neue ‘skills’, und eine neue ‘literacy’ seitens der Bürger, sowie der Beamten. Wir alle lernen mit jedem Schritt, falls wir den Weg gemeinsam gehen. Machen was jetzt möglich ist, und davon lernen wie man weiter geht.

  • Lieber Herr Dietrich,

    sollten Sie durch meine Wortwahl und meine zur Aktivierung der Diskussion bewusst etwas provokanten Fotmulierungen den Eindruck gewonnen haben, ich wolle irgend jemandem bereits im Vorfeld seiner Antworten abqualifizieren, bedauere ich das. Das wäre in keinster Weise intendiert gewesen.

    Inhaltlich würde ich mich sehr freuen, wenn es uns gelingt, in naher Zukunft einmal eine Pilotbehörde zu gewinnen, mit der zusammen wir den tatsächlichen Aufwand der Bereitstellung von OpenData in allen Facetten belastbar quantifizieren können. Wir brauchen konkrete Erfahrung im Inland, im tatsächlichen Kontext der deutschen Verwaltungsrahmenbedingungen – technisch, fiskalisch, rechtlich, mental. Erfahrungen aus dem Ausland sind meines Erachtens immer nur bedingt übertragbar. Wenn ich mir viele OpenData Beispiele in den USA ansehe, dann komme ich häufig nicht umhin, vor allem dem jeweiligen Marketing großen Respekt zu zollen.

    Danke für die Links zu den Studien.

Schreibe einen Kommentar!

Schreibe deinen Kommentar unten oder sende einen Trackback von deiner Website. Du kannst auch diese Kommentare abonnieren per RSS.

Sei nett und freundlich. Bleibe beim Thema. Bitte kein Spam.

Du kannst diese Tags zur Formatierung verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Dieses Weblog nutzt Gravatare, um seinen Lesern ein Gesicht zu geben. Gravatar.