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Nationaler Aktionsplan Open Data: Bericht vom Meilenstein-Workshop

1. Februar 2015 – 13:31 | Kein Kommentar | 12.259 Aufrufe

Die Bundesregierung hat im Juni 2013 die Open Data Charta der G8 unterzeichnet und sich damit zu konkreten Handlungsschritten verpflichtet. Mit einiger Verspätung wurde nun ein Aktionsplan Open Data unter Federführung des BMI entworfen, der diese …

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Interview mit Julia Witt – Protagonistin des Berlin Open Data Day aus der Verwaltung


Fragen und Antworten an Julia Witt zum Berliner Open Data Day (18.05.2011)

Das Interview führte Christian Lorenz für das Government 2.0 Netzwerk Deutschland


Julia Witt:
Büroleiterin beim Senator für Wirtschaft, Technologie und Frauen in Berlin, Mitstreiterin der ersten Stunde der Berliner Open Data Initiative (und diejenige, die die Fäden in der Hand hält), Autorin der Guten Nachrichten aus dem Land Berlin und des Berlin Open Data Blogs. Netzwerkerin vor dem Herrn…nicht nur zum Thema Open Data.

Julia Witt twittert unter @Julia_Witt.

Gov 2.0 Netzwerk: Open Gov, Open Data – die Begrifflichkeiten, die bis vor Kurzem nur Eingeweihten eine Begriff gewesen sind, scheinen langsam auch in der Verwaltung anzukommen. Was verspricht sich das Land Berlin von dem Boddy 2011?

Julia Witt:

Der 18. Mai ist quasi der Startschuss, um das Thema in der Verwaltung breiter als bislang zu debattieren. Es ist unsere Absicht, als gemeinsame Plattform aus Verwaltungsakteuren und Vertretern der Zivilgesellschaft aktiv an diesem Tag etwas anzuschieben. Wie das „in der Verwaltung ankommt“, wird von uns allen abhängen und dem, wie ernsthaft und spannend gleichermassen das Thema präsentiert wird. Die völlig verschiedenen Kommunikations- und Arbeitsweisen der Gruppe führen häufig zu Mißverständnissen, hier wollen wir mit guten Beispielen zeigen, dass es anders geht und vor allem hoffen wir, dass dies Vertreter aus den verschiedenen Ressorts ermutigt.

Gov 2.0 Netzwerk: Etwas provokant gefragt: Ist die Forderung nach offenen, sprich maschinenlesbaren und freizugänglichen Daten als Teil des Open Government vielleicht die Spielwiese einiger weniger? Welcher Mehrwert kann sich ganz konkret für die Bürgerinnen und Bürger Berlins aus dem Öffnen von Datensätzen ergeben?

Julia Witt:

Ganz konsequent reduziert auf eine Herausgabe maschinenlesebarer Daten mag das stimmen, da gibt es aktuell sicher nur eine kleine Gruppe – viele Gäste haben sich aber auch angemeldet, weil es ihnen um mehr geht, nämlich um das prinzipielle Verständnis von Politik und Verwaltung gegenüber den Bürgern, um eine beiderseitige Bereitschaft zu Transparenz, um das Ändern des Blickwinkels genau in die Richtung: was nutzt den Bürgerinnen und Bürgern ? Also wenn wir mit unserer Veranstaltung dazu beitragen, hier einen Paradigmenwechsel in Berlin anzuschieben, der tiefer geht als in den Wahlprogrammen der verschiedenen Parteien, ist das schon ganz gut.

Gov 2.0 Netzwerk: Offene Daten zur Verfügung stellen ist das eine, die Verwaltung für die Ideen der Menschen zu öffen etwas anderers. Wie weit ist die Idee des Open Government aus Deiner Sicht im deutschen Verwaltungsalltag angekommen?

Julia Witt:

Viele Modernisierungsprozesse um das Jahr 2000 in den Verwaltungen sind ja vor allem darauf konzentriert gewesen, mit Hilfe der großen Beratungsunternehmen Effizienzgewinn zu erzielen und Einsparungspotenzial nachzuweisen und durchzusetzen. Das war teilweise noch verknüpft mit der Frage, welche Leistungen besser, moderner bei externen Unternehmen erbracht werden können, wie ein Referat mit 30 % der Mitarbeiterinnen dieselben Angebote erbringen kann und wie durch die Kosten-Leistungsrechnung alles Tun als Produkt definiert und abgerechnet werden kann.

Da ist wenig davon die Rede gewesen, welche Ansprüche und Vorstellungen die Bürgerinnen und Bürger haben – und eine dialogorientierte Stunde des gemeinsamen Aushandelns war weder mental noch rechnerisch vorgesehen… Dessen ungeachtet gibt es natürlich viele Akteure in der Verwaltung, die selbst mit Ideen, Offenheit und großer Ernthaftigkeit darum ringen, in ihrem Thema das Beste für die betreffenden Bürgerinnen und Bürger zu erreichen – diese sollen durch unser Engagement gestärkt werden, in die Richtung muss es gehen.

Gov 2.0 Netzwerk: Markus Dapp aus München hat mit dem Mogdy – dem Münchner Open Government Day – vorgemacht, wie eine Community-Public-Partnership funktionieren kann. Wieso tun sich Netz-Community und Bund/Land/Kommunen bisher so schwer, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen und wie kann es klappen?

Julia Witt:

Tja… ich denke, da sind wirklich eine Reihe von Vorurteilen, Ängsten, mangelnder Zeit im Spiel – also eine Reihe subjektive Momente, aber eben auch ein ganzes Päckchen an struktureller Verschiedenheit, was jeder so mit sich trägt.

Viele professionelle Dienstleister in unserer Gruppe orientieren sich auch schnell an „ganz oben“, wollen schnell die „Entscheider“ in den Spitzenetagen des Bundes oder gar der EU für sich gewinnen – das klingt nach gutem Geld, guter Kaffeemaschine und viel Reisetätigkeit. Ich denke, dass die wirklichen mentalen Bewegungen im Alltag geschehen, in den Bezirksverwaltungen, z.B. in den Bauämtern. Hier sind ja auch Modelle einer gemeinsamen kommunikativen Plattform im Gespräch.

Aber alle, die sich mit solch schwierigen Netz-Community-Organisationsprozessen befassen, wissen, dass es letztlich nicht an einer Web-Plattform hängt, sondern an Personen, die den Druck, das gegeneinander aushalten, auffangen und immer wieder anderen Mut machen.

Eingereicht von auf 2. Mai 2011Kein Kommentar | 6.325 Aufrufe

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