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Nationaler Aktionsplan Open Data: Bericht vom Meilenstein-Workshop

1. Februar 2015 – 13:31 | Kein Kommentar | 10.948 Aufrufe

Die Bundesregierung hat im Juni 2013 die Open Data Charta der G8 unterzeichnet und sich damit zu konkreten Handlungsschritten verpflichtet. Mit einiger Verspätung wurde nun ein Aktionsplan Open Data unter Federführung des BMI entworfen, der diese …

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BarCamp Session zum Ideenwettbewerb „Vergessen im Internet“


Wenn das Thema Open Government diskutiert wird, geht es regelmäßig darum, was in Politik und Verwaltung verändert werden muss, um den Anforderungen und Bedürfnissen der Bürger gerecht zu werden. Dabei stehen transparentes Verwaltungshandeln, zeitgemäße Kommunikation und elektronische Erreichbarkeit sowie Partizipation und Kollaboration meist im Mittelpunkt. Die Session der Projektgruppe Netzpolitik des Bundesministeriums des Innern (BMI) ergänzte diese Schwerpunkte um einen weiteren Aspekt, der in einem engen Zusammenhang mit der zunehmenden Digitalisierung aller Lebensbereiche steht: Bereits Mitte April 2011 hatte das BMI einen Ideenwettbewerb zum „Vergessen im Internet“ gestartet, um einen gesellschaftlichen Diskurs über die Vor- und Nachteile des „immer online Seins“ und der damit zusammenhängenden permanenten Verfügbarkeit von Informationenanzustoßen. Hieran knüpfte die Session an.

In der Session diskutierte Ralf Lesser aus der Projektgruppe Netzpolitik beim Bundesministerium des Innern mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern darüber, wo die Vor- und Nachteile und wo die großen und kleinen Herausforderungen beim „Vergessen im Internet“ liegen und wie Politik bzw. Verwaltung, Gesellschaft und letztendlich jeder Einzelne damit umgeht bzw. umgehen sollte.

Als Einstieg in die Session wurde zunächst ein kurzer Überblick über die Netzpolitik des BMI gegeben sowie der Ideenwettbewerb selbst mit seinen drei Wettbewerbskategorien (“Bewusstsein schärfen“, „Umfangsformen und Regeln“, „Technik des Vergessens“) vorgestellt. Dabei unterstrich Ralf Lesser, dass es bei dem Wettbewerb eben nicht nur um technische Ansätze wie den viel diskutierten „digitalen Radiergummi“ geht, sondern vor allem um soziale aber auch um rechtliche Aspekte.

Im ersten Teil ging die offene Diskussion inhaltlich in Richtung Datenschutz und den Umgang der Nutzer mit ihren eigenen Daten. Es wurden typische Situationen beschrieben, in denen (persönliche) Daten und Informationen online abgegeben werden und den Betroffenen meist nicht bewusst ist, dass sie diese Daten für andere eindeutig nachvollziehbar – wie Fußstapfen im Sand – hinterlassen. Ein Teilnehmer gab zu bedenken, dass man nicht erst anfangen könne über Datenverfügbarkeit im Internet zu sprechen, wenn die Daten bereits online sind. Der beste Weg, „Daten zu schützen“ wäre demnach, sensible Daten gar nicht erst ins Internet zu stellen bzw. die möglichen Folgen bereits vorab soweit wie möglich transparent und nachvollziehbar zu machen. Sensibilisierung also. Dabei wurde insbesondere auf Erfahrungen mit jungen Onlinern hingewiesen, die zum Teil recht sorglos mit ihren Daten und Fotos umgingen. Das läge insbesondere daran, welcher Wert den Daten im Moment der Online-Stellung zugemessen würde. Es würde nicht daran gedacht, dass sich Lebenssituationen und damit auch der „Wert“ bzw. die „Wertung“ dieser Daten verändern kann. Oft genug wird eben nicht darüber nachgedacht, dass Eltern, Nachbarn, Freunde, Kumpels, künftige Chefs – egal ob für Lehrstelle oder Job – auch im Internet unterwegs sind und auch wissen wie man nach persönlichen Informationen und Bildern sucht.

Die Teilnehmer in der Session verbanden aber insgesamt auch sehr viele positive Aspekte mit dem digitalen Gedächtnis. Als Beispiel wurden verschiedene Möglichkeiten, das kulturelle Erbe – wie Literatur, Bilder oder andere Museumsschätze – online verfügbar zu machen, genannt.

Auch die Frage der Sicherheit wurde angesprochen. Dabei war der Tenor, dass Sicherheitsmaßnahmen aus Sicht der Nutzer oft nicht besonders „sexy“ sind, vor allem, wenn sie zu Lasten der Usability gehen. Da gäbe es technisch auf jeden Fall noch Verbesserungspotenzial.

Alle waren sich darüber einige, dass das Thema außerordentlich vielschichtig ist und die Diskussion auch entsprechend vielfältig und mit verschiedensten Akteuren erfolgen muss. Angesichts dieser Themenbreite konnten viele Facetten des Vergessens im Internet in der einstündigen Session nur angerissen werden.

„Das war eine kleine, aber feine Session“, freut sich Ralf Lesser aus der Projektgruppe Netzpolitik beim Bundesministerium des Innern. „Es haben sich viele interessante Gespräche rund um unseren Ideenwettbewerb und auch über unser Engagement zur Gestaltung einer Netzpolitik ergeben. Das hat noch einmal bestätigt, dass wir mit unseren Themen auf dem richtigen Weg sind. Wir werden den persönlichen Diskurs im Rahmen weiterer Veranstaltungen fortsetzen, gerade auch weil das Thema so vielschichtig und komplex ist, gleichzeitig aber uns alle betrifft.“

 

Über den Ideenwettbewerb

Der Ideenwettbewerb wird vom Bundesministerium des Innern gemeinsam mit der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) durchgeführt. Gesucht werden die besten Ideen in drei Kategorien: „Bewusstsein schärfen“, „Umgangsformen und Regeln“ und „Technik des Vergessens“. Auf diese Weise soll das „Vergessen im Internet“ aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden. In den Kategorien sollen sich jeweils die verschiedenen Ansätze und wissenschaftlichen Disziplinen wiederfinden.

Dabei soll es um die Auseinandersetzung beispielsweise mit den folgenden Fragen gehen: Wie schaffen wir ein Bewusstsein für die Probleme, die mit dem Nicht-Vergessen im Internet zusammenhängen? Was kann der einzelne Nutzer bzw. die Gesellschaft insgesamt tun, um diesen Herausforderungen besser zu begegnen? Brauchen wir eine technische Lösung oder genügt es, den Umgang mit persönlichen Daten zu verändern? Müssen auf politischer Ebene neue Regeln definiert werden? Der Gestaltungsspielraum für die Wettbewerbsbeiträge ist außerordentlich groß. Es können beispielsweise Plakate, Fotocollagen, Videos, Essays, wissenschaftliche Texte, Entwürfe für technische Lösungen u.v.m. eingereicht werden.

Teilnehmen können Einzelpersonen oder Personengruppen und wissenschaftliche Institute bzw. vergleichbare Organisationen sowie Unternehmen. Insbesondere Schüler und Studenten sollen ermutigt werden, sich am Wettbewerb zu beteiligen.

Noch bis zum 31. Januar 2011 können über die Website www.vergessen-im-internet.de Ideen eingereicht werden.

 

 Fotos vom BarCamp

Eingereicht von auf 15. Oktober 2011Kein Kommentar | 5.365 Aufrufe

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