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Nationaler Aktionsplan Open Data: Bericht vom Meilenstein-Workshop

1. Februar 2015 – 13:31 | Kein Kommentar | 10.481 Aufrufe

Die Bundesregierung hat im Juni 2013 die Open Data Charta der G8 unterzeichnet und sich damit zu konkreten Handlungsschritten verpflichtet. Mit einiger Verspätung wurde nun ein Aktionsplan Open Data unter Federführung des BMI entworfen, der diese …

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Hackday Moers: Wenn im Rathaus Open Data-Enthusiasten das Sagen haben


Autorin: Kirsten Wohlfahrt, Government 2.0 Netzwerks, Gründerin des Stammtischs Open Goverment Hamburg, beobachtende Teilnehmerin an Tag 1 des Moerser Hackdays.

Bahnhof Moers

Klarer Kurs auf und bei Open Data, und das als eine der ersten Kommunen Deutschlands überhaupt: die Stadt Moers.

In der Stadt Moers gibt es ein Restaurant, das „Zur Trotzburg“ heißt. Das Rathaus ist hingegen alles andere als trotzig oder von Widersachern in einer eigens dafür gebauten „Trutzburg“ belagert. Im Gegenteil. Mitte März hat sich das Rathaus äußerst offen gezeigt und ließ in seinem Ratssaal rund sechzig Hacker in seinem Datenschatz stöbern und programmieren. Anlass war ein Open Data Hackday, der erste Hackday am Niederrhein überhaupt, zu dem die Stadtverwaltung gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung eingeladen hatte.

Ratssaal

Externe Kreativität und Ideen im Rathaus willkommen.

Prinzip Offenes Rathaus

Ein Ratssaal, an dem ausnahmsweise einmal nicht Bürgermeister und Ratsleute das Sagen haben. Ein Rathaus, das ein ganzes Wochenende lang seine Türen öffnet. Hackeriinnen und Hacker als Hauptpersonen im Ratssaal – Programmierer, „Cyber Freaks“, Open Data-Enthusiasten, Bürger, die Ideen haben, wie man Informationen der Verwaltung nachvollziehbar gestalten kann, Datenjournalisten: Das ist schon etwas Besonderes. Moers, gelegen am westlichen Zipfel des Ruhrgebiets, hat als eine der ersten Kommunen bereits im Frühjahr 2013 seine Tore bzw. seine Daten geöffnet und ein Open Data-Portal ins Leben gerufen. Gearbeitet haben die Hacker an dem Wochenende aber auch mit Daten des Landes Nordrhein-Westfalen.

Code for Niederrhein – coming soon?

Neben dem eigentlichen Arbeiten mit Daten ging es an dem Open Data-Wochenende auch darum, die Datenarbeiter-Szene am Niederrhein zusammen zu bringen, auf dass vielleicht eine Community daraus wird. Bzw. ein „Code for Niederrhein“-Laboratorium. Also eine lokale Open Data-Schmiede unter dem Dach des von der Open Knowledge Foundation initiierten Projekts Code for Germany. Mittlerweile gibt es an die zwanzig lokale „Code Labs“, von Hamburg bis Freiburg, von Köln bis Dresden, in denen Programmierer und Bürger ehrenamtlich und gemeinsam aus Verwaltungsdaten nützliche Web-Anwendungen oder Visualisierungen bauen.

Das Besondere am Code for Niederrhein-Lab wäre der überregionale Ansatz – der angesichts der Lage von Moers, eingebettet in das urbane Gefüge des westlichen Ruhrpotts, mehr als sinnvoll wäre. Datenarbeit muss und sollte nicht an Stadtgrenzen halt machen, vor allem da, wo Bürgerinnen und Bürger regional ohnehin sehr beweglich sind.

Die Chancen, dass es auch am Niederhein ein Code for Germany-Lab geben wird, stehen gut: Nach dem Moerser Hackday bekundeten über zehn Aktivisten ihr Interesse, eine solche Open Data-Arbeitsplattform aus der Taufe zu heben. Möge es gelingen! Apropos „Aktivisten“: Die Datenarbeiter-Szene, nicht nur in und um Moers, leidet akut noch unter Frauenmangel.

Transparentes Rathaus

Transparentes Rathaus: gute Aussichten in Moers. Nicht nur beim 1. Hackday am Niederrhein.

Daten übersetzen – für alle

Und was haben die Hacker, Open Data-Enthusiasten und Cyber Freaks im Rathaus zu Moers produziert? Dr. Anke Knopp von der Bertelsmann Stiftung, gemeinsam mit Claus Arndt von der Stadtverwaltung – und Mister Open Data der kommunalen Szene – Initiarorin des Hackdays, hat die Ergebnisse des Hackdays in ihrem Blog dokumentiert. Die Bandbreite war groß und zeigt, welcher Nutzen in Verwaltungsdaten steckt, wenn sie von Datenarbeitern übersetzt werden. Dadurch können Bürger, die nicht selbst „Rohdaten lesen“ können, auch von Open Data profitieren. So arbeiteten einige der Hacker-Gruppen mit Verkehrsdaten – um Baustelleninformationen aufzubereiten oder Informationen, wie schnell in Tempo 30-Zonen tatsächlich gefahren wird. Andere Coder bastelten an einer Lärm-App. Ebenfalls im Visier der Hacker: die Haushaltsdaten der Stadt – mittlerweile wohl ein Klassiker der Open Data-Anwendungen. Und immer wieder hilfreich, um Haushaltsvolumen optisch eingängig zu visualiseren.

Power in der Peripherie

Abschließend bleibt festzustellen: Engagierte Bewegungen – und „Beweger“ – wie in Moers sind wichtig, um Open Data und die Öffnung von Politik und Verwaltung in die Fläche zu bringen. Die meisten Bürger leben nicht in Hotspots wie Berlin oder Hamburg – wo es mittlerweile eine gut vernetzte Szene rund um das Arbeiten mit Daten gibt – sondern in kleineren Städten wie Moers. Der erste Hackday in Moers hat gezeigt, dass es auch in der Peripherie viel Kreativität, Power und Kompetenz im Umgang mit offene Daten gibt. Und er zeigt, wie eine Stadtverwaltung aktiv den für die Öffnung von Staat und Verwaltung notwendigen Kulturwandel vorantreiben kann: indem sie ganz einfach Open Data „macht“. Schritt für Schritt. Und in enger Kooperation mit der Szene. Weiter so!

Eingereicht von auf 30. März 2015Kein Kommentar | 7.850 Aufrufe

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