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Nationaler Aktionsplan Open Data: Bericht vom Meilenstein-Workshop

1. Februar 2015 – 13:31 | Kein Kommentar | 12.370 Aufrufe

Die Bundesregierung hat im Juni 2013 die Open Data Charta der G8 unterzeichnet und sich damit zu konkreten Handlungsschritten verpflichtet. Mit einiger Verspätung wurde nun ein Aktionsplan Open Data unter Federführung des BMI entworfen, der diese …

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Grassroot oder Mikro-Realität?


Bei aller angebrachten Begeisterung über den frische Wind, den die Diskussionen über OpenData, OpenGovernment und Government 2.0 bringen, erscheint es wichtig, einmal kurz die Flughöhe anzuheben und einen Blick von oben zu wagen. Wie steht es mit der öffentlichen Relevanz und Wahrnehmung der Themen? Wen interessiert es wirklich, wieviele Open“XXX“ Verfechter sind wir eigentlich? Sind wir tatsächlich so etwas wie der Samen einer Grassroots Bewegung, die langsam aber gewaltig einen der vielbeschworenen „Paradigmenwechsel“ im Verhältnis zwischen Bürgern und Verwaltung einleiten wird? Oder existieren wir eher in einer Art „Realitätsblase“ oder einer Mikro-Öffentlichkeit, in der wir uns selber gegenseitig eine gesellschaftliche Relevanz und einen Modernisierungsimpetus zusprechen, der aber eben leider nur mit uns in unserer Wahrnehmungsblase existiert? 

Wer von den Non-Digital-Bohemes interessiert sich für Open Government?

Es wird gebloggt, getwittert und in Panels diskutiert. Unter #gov20 kann man bei Twitter den Eindruck haben, dass es weltweit Millionen von Gleichgesinnten gibt. Ist das tatsächlich so? Wer von den „Non-Digital-Bohemes“ verfolgt diese Diskussionen und beteiligt sich wirklich? Gut, OpenData hat’s einmal auf Tagesschau.de geschafft… come on… das eher bescheidene Feedback auf http://www.strategie.einfach-online-beteiligen.de/ oder auf www.e-Konsultation.de/netzpolitik macht wenig Mut, allerdings sind das natürlich auch Beteiligungen eher zu Insider-Themen, sperrig in Inhalt, Aufbereitung und Online-Umsetzung.

Aktivierung der Öffentlichkeit ist möglich…

Aktivierung von breiter(er) Öffentlichkeit zu gesellschaftlich relevanten Themen ist aber anscheinend möglich: Gegen die Nazi-NPD-Facebook Seite haben wir – Stand heute – immerhin 252.568 Unterstützer gefunden… da freue ich mich riesig und DAS ist eine messbare Beteiligung und ein signifikanter (online-) gesellschaftlicher Rückhalt… mal ehrlich: gibt es auf diesem Planeten auch so viele Unterstützer von Open“XXX“? Gut, auch ich glaube, dass die Bekämpfung von Nazis ein NOCH höherwertiges Ziel ist als Open“XXX“… aber wäre es nicht gut, wenn wir auch mal die Open“XXX“-Streitmacht (im nicht-martialischen Sinne) und -Unterstützer quantifizieren könnten? 

Abperlen an der Teflonschicht politischer Entscheider?

Wenn wir es nicht schaffen, die „Non-Digital-Boheme“ für Open“XXX“ zu begeistern, dann laufen wir Gefahr, an der  „Wählerstimmen-Teflonschicht“ der politischen Entscheider abzuperlen: ‚Interessiert das meine Wähler? Ja/Nein -> If „Nein“ then „irrelevant, drop topic“ ‚. So simpel ist es leider.

Auch ich finde http://www.essen-kriegt-die-kurve.de/ gut – noch besser finde ich die Beteiligung dort, nach drei Wochen Laufzeit 3.765 registrierte Teilnehmer und sageundscheibe 113.527 Bewertungen von Sparvorschlägen. Das ist toll und ich zolle den Initiatoren dieser Partizipationsplattform großen Respekt… aber, bei ca. 580.000 Einwohnern von Essen machen die Teilnehmer immer noch erst ca. 0,65% aus…  (dabei schon euphemistisch unterstellt, dass alle Teilnehmer auch Essener sind…) Und das ist im Moment grade die Vorzeige-Partizipations-Plattform mit sehr hoher Beteiligung, oder?

Raus aus der Realitätsblase

Ich denke, die größte Aufgabe der nächsten Monate besteht nicht darin, irgendwelche technologisch „hippen“ Gadgets, Widgets, Apps oder Services zu diskutieren. Wir brauchen gesellschaftlichen Rückhalt und breite Öffentlichkeit für Open“XXX“. Wir müssen unsere „Realitätsblasen“ und „Kommunikationszirkel“ verlassen. Der berühmte „Otto-Normalverbraucher“ (und auch die Wirtschaft) muss Open“XXX“ verstehen, den persönlichen Nutzen erkennen und es deswegen wollen. Wir müssen eine Diskussion führen, wie wir klassisches Marketing für Open“XXX“ machen… Zielgruppen identifizieren, Marktbotschaften entwickeln, Bedarf wecken, Kommunikationskanäle aufbauen und bedienen…  das erscheint mir im Moment von vorrangiger Bedeutung.

Wir sollten aus den Fehlern der Vergangenheit lernen… es reicht nicht, in bester Absicht ein paar E-Goverment Dienste zu schaffen und dann frustriert zuzusehen, dass niemand sie nutzt oder überhaupt findet.

Was wir brauchen:

Wir brauchen ein aktiv beworbenes, attraktives und konsolidiertes Verzeichnis von Government 2.0 / Open Government Best Practice, wir brauchen (wirklich) prominente Zugpferde für das Thema, wir müssen Benchmarks schaffen, die wirkungsvolle Innovationsleistungen herausstellen und die Anreize für Verfolger schaffen, wir brauchen Testimonials von begeisterten Bürgern und Unternehmen.

Wenn wir darauf warten, dass irgendeine deutsche Regierungsstelle nach gutem Zureden so etwas aufbaut wie Recovery.gov oder Data.gov, dann können wir lange warten. Unsere Strukturen in Deutschland sind andere als in den USA oder in Singapur. Unsere Kultur auch.

Hier müssen wir als Community selber aktiver und konkreter werden, die Lücken schließen und die Angebote schaffen, für die an anderer Stelle die Kraft fehlt und die Koordinierung (noch) nicht möglich ist.

Bürger und Unternehmen müssen Appetit bekommen und Open“XXX“ haben wollen, die Politik muss erkennen, dass sich damit Wählerstimmen gewinnen lassen, die Verwaltungen müssen unruhig werden, wenn sie in öffentlichen Vergleichen und Bewertungen zurückliegen und die Presse muss erkennen, dass sich hier viele spannende Stories bieten.

… und WIR müssen das alles hin kriegen… 😉

Eingereicht von auf 21. Mai 20103 Kommentare | 3.521 Aufrufe

3 Kommentare »

  • Rudolf Legat sagt:

    Liebe KollegInnen,

    mit großem Interesse betrachte ich aus Wien die aufkommende Diskussion zum „Open XXX“ in Deutschland und Österreich. Dabei fällt mir auf, dass in den umfangreichen Beiträgen bislang nirgendwo auf die Situation der Umweltverwaltungen in den EU-Mitgliedstaaten eingegangen wird. Diese sind ja seit 1990 auf der Grundlage der ersten Umweltinformationsrichtlinie 90/313/EWG und der zweiten 2003/4/EG zur Transparenz verpflichtet. Hier finder der Paradigmenwechsel bereits statt.

    Gerade Deutschland hat ja mit seinem one-stop-shop Umweltinformationsportal „PortalU“ (www.portalu.de) ein e-Government-preisgekröntes Bürgerportal geschaffen, das auch seitens der Europäische Kommission als best practice Beispiel für das geplante „Shared Environmental Information System“ angesehen wird.
    http://ec.europa.eu/environment/seis/index.htm

    Davon ausgehend ist es zu offenen Rohdaten im Internet nur mehr ein evolutionärer Schritt.

    Siehe hiezu die Situation in Österreich unter:
    http://www.ref.gv.at/Umweltinformation.1024.0.html
    http://www.ref.gv.at/Open-Government-Let-the-suns.opengovernment.0.html

    Mit besten Grüßen aus Wien
    Rudolf Legat

  • M0nty sagt:

    Kennt jemand eine Darstellung des deutschen Bundeshaushalts nach diesem amerikanischen Vorbilds? Oder ein Landes- oder Stadthaushalt?

    Death and Taxes 2011
    http://www.deathandtaxesposter.com

    Ich wollte das mal für unsere kleine Stadt nachbauen, aber wie soll man Vermögenshaushalt und Verwaltungshaushalt in einer Grafik darstellen? Und wie kann man darstellen das bestimmte Ausgaben (Abfallentsorgnung mit 4 Mill. €) zu 100% durch Gebühren gegenfinanziert sind, die aber irgendwo bei Einnahmen auftauchen.

    Das gleiche Problem hat man bei zweckgebundenen Zuwendungen vom Land, diese Tauchen auf der Einnahmenseite auf, und Verringern den Eigenanteil der Stadt in der Ausgabenseite auf z.B. 70%.

    Gruß
    M0nty

  • Anke Domscheit sagt:

    Ich kenne das nicht für Deutschland, aber in England habe ich andere Beispiele gesehen, ein rudimentäres findet sich bei data.gov.uk unter Apps – Link: http://rewiredstate.org/projects/expendituremap, es ist open source, man könnte es weiter bearbeiten. Am schönsten ist aber das englische http://www.wheredoesmymoneygo.org/ – ein Gewinner des showusabetterway.com Wettbewerbs 2008. Der Charme an dieser Anwendung ist, dass sie auch zoomfähig ist, man kann also in einzelne Ausgabenblöcke noch hineinzoomen und sieht dann mehr Details graphisch und schön in Farbe….
    Für Deutschland planen wir gemeinsam mit dem Open Data Network und Echologic einen Apps for Democracy Wettbewerb, dort können auch Wünsche eingebracht werden. Eine Visualisierung der deutschen Ausgaben wäre da sicher einer der Top Wünsche. Diese Fragen werden wir mitnehmen. Zu den Gebühren wäre mein Gedanke: es sollte egal sein, ob eine Aufgabe durch Steuern oder Gebühren finanziert wird, da beides von den BürgerInnen kommt. Letztlich sollten einfach die Ausgaben des Staates (unabhängig von der Quelle der Einnahmen) abgebildet werden.

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