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Nationaler Aktionsplan Open Data: Bericht vom Meilenstein-Workshop

1. Februar 2015 – 13:31 | Kein Kommentar | 10.979 Aufrufe

Die Bundesregierung hat im Juni 2013 die Open Data Charta der G8 unterzeichnet und sich damit zu konkreten Handlungsschritten verpflichtet. Mit einiger Verspätung wurde nun ein Aktionsplan Open Data unter Federführung des BMI entworfen, der diese …

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Der Wille zur Lücke: ein dreifach kräftiges Open! – Das Open Data-Portal in Moers


Der Autor, Claus Arndt , leitet bei der Stadt Moers den Fachdienst Zentrale Dienste und  ist u.a. zuständig für den Web-Auftritt, Social Media und das Open Data-Portal der Stadt.

Nein, ich weiß es: Karneval ist vorbei, auch wenn der Titel dieses Beitrages ein wenig an die verstrichene 5. Jahreszeit erinnern mag. Gleichwohl kann diese semantische Nähe auch als Fingerzeig auf die Diskussion der letzten Wochen über Open Data und GovData in Deutschland gedeutet werden, die komischer Züge nicht entbehrte. Aber der Reihe nach.

Was ist passiert? Am Freitag letzter Woche (15.02.2013) ist Moers, ein schönes Städtchen am linken Niederrhein mit knapp über 100.000 Einwohner/innen, mit einem Open Data-Portal online gegangen und hat sich dabei in guter Gesellschaft befunden: Fast zeitgleich ging auch Hamburg an den Start. Kann man aus dem Moerser Beispiel etwas lernen?

Open, Nicht-Open

Ich gebe zu, die Diskussion über die Lizenzvarianten des OpenGovData-Portals für Deutschland hat auch bei mir zu einer gewissen Verunsicherung geführt. Dies hat aber nichts mit der Entscheidung des Bundesministerium des Innern (BMI) zu tun, auch eine nicht-kommerzielle Variante der Lizenz bereitzustellen. Dass es eine solche Lizenz gibt, war ja schon vor dem Sturm der Entrüstung klar. Wer jedoch in einer „Gemeinsamen Erklärung“ seine Sorge zu Ausdruck bringt, es stehe „zu befürchten, dass viele Behörden aus Bequemlichkeit diese Variante einer “Freigabe” wählen werden, womit alle betroffenen Daten gerade nicht offen lizenziert wären und somit eine Kombination mit offenen Daten rechtlich blockiert würde.“, der hat verkannt, dass sich wohl die meisten Behörden und vor allem Kommunen nicht davor scheuen, auch einen „unbequemen“ Weg zu wählen. Sagen wir es drastischer: Solch eine Argumentation malt ein Schreckensszenario, das bei den Behörden auch Vernunft sowie Entscheidungskompetenz und Entscheidungsfreiheit in Abrede stellt. Ich für meinen Teil halte mich lieber an das Open Government – Vorgehensmodell der KDZ als an vermeintliche Blockaden aus Berlin…

 

Die Verunsicherung beruht jedoch eher auf dem Umstand, dass es offensichtlich noch keine ideale Lösung für das Lizenzproblem gibt. Zumindest scheint jede der viel genannten offenen Varianten (stellvertretend seien genannt: CC-BY, ODC-BY oder eben die Datenlizenz Deutschland Namensnennung) einen Haken zu haben: Hier spricht man von Insellösungen, dort von Lizenzen, die zu Datensätzen gar nicht richtig passen. Insofern scheint jede Entscheidung, die man aktuell trifft, irgendwie die falsche zu sein. Für Moers war es am Ende wichtig, eine offene Lizenz, die auch eine kommerzielle Nutzung der Daten ermöglicht, einzusetzen – und die weitere Entwicklung nach einer zu Recht kritischen Debatte abzuwarten. Hätten wir also die erste Lücke und das Open 1 identifiziert.

Die paradiesischen Zustände drumherum und der Wille zur Lücke

Die Österreicher können es besser, die Briten auch, die Amerikaner sowieso! Nein, es geht (zum Glück) nicht um Fußball, sondern um die Öffnung behördlicher Datenbestände im Sinne der Open Data-Bewegung. Deutschland hinkt auf breiter Front der Entwicklung in vielen Ländern hinterher, gut, das wissen wir jetzt. Was bedeutet das für die kommunale Praxis? Soll man warten, bis man auf einen Schlag – mit dem ersten Schlag – gleich 100 Prozent Open Data abliefert, vielleicht aus Sorge vor dem Unmut der Netzgemeinde? Das kann es doch sicher nicht sein. Trennen wir also die politische Dimension von der pragmatischen und fangen an, wohl wissend, dass auf Bundes- und Landesebene wichtige Grundsatzdiskussionen noch geführt und wegweisende Entscheidungen getroffen werden müssen.

Betrachten wir daher kurz die pragmatische Dimension, und zwar ganz pragmatisch.

Wenn man sich in der kommunalen Landschaft umhört, beschleicht einen das Gefühl, es findet gerade die dritte digitale Revolution in deutschen Amtsstuben statt. Die erste Revolution (Internet-Angebote) hat man inzwischen ganz gut verkraftet, die zweite (Social Media/Bürgerbeteiligung) muss erst noch verdaut werden, und jetzt, ja und jetzt? Jetzt müssen wir die Datenschatulle öffnen und Open Data machen!? Unlängst, bei einem Meeting der KGSt zum Thema Open Data, hat mich das Gefühl beschlichen, wir haben die gesamte Diskussion über die Frage, was für und was gegen Open Data spricht, schon einmal geführt. Wann? Vor über zehn Jahren im Kontext der ersten digitalen Revolution! Und punktuell führen wir sie seitdem immer wieder. Die Fragen kommen mir so bekannt vor: Was dürfen wir veröffentlichen? Wie sieht es mit dem Datenschutz aus? Welcher Aufwand entsteht? Welche Formate nutzen wir? Ist Transparenz und Offenheit gefährlich? Können wir den Prozess noch kontrollieren? Und und und…

Was ist das Ergebnis der früheren Diskussionen? Alle Kommunen haben schon vor langer Zeit damit begonnen, ihre Datenbestände zu öffnen! Haushalt, Ratsinfosystem, Geodatensystem, Bevölkerungsstatistiken, Infrastrastruktur- und Wirtschaftsdaten – vieles ist jetzt bereits online. Man betrachte nur den Bericht von Fraunhofer Fokus über „Open Data Köln“ (PDF). Dort wurden bei einer Ist-Analyse allein auf der Domain stadt-koeln.de 656 Datensätze im PDF-Format gefunden. Open 2 ist also schon im vollen Gange, und man fragt sich, warum sich so viele damit so schwer tun. Ist ein Haushaltsplan jetzt böse, nur weil er im XML-Format statt im PDF-Format angeboten werden soll? Es darf dabei nicht verschwiegen werden, dass man sicher bei einer jetzt im Raum stehenden weitreichenden Öffnung noch einige rechtliche, finanzwirtschaftliche und auch verwaltungskulturelle Probleme zu lösen hat, aber für einen Einstieg stehen die Zeichen doch eher auf Grün.

Moers hat nun mit 30 Datensätzen begonnen. Damit ist die Lücke noch groß, aber die Basis wurde gelegt, von der aus man jetzt weiter das Datenmonitoring betreiben kann. Man darf dabei nicht vergessen: zwischen der Moerser Grundsatzentscheidung pro Open Data und der Start des Portals lagen nur ca. zweieinhalb Wochen…

Die Maschinen

Nun sind PDF-Dokumente aber nicht open. So ist es eine der interessanten Herausforderungen der nächsten Zeit, die vorhandenen und die neuen Datenbestände in maschinenlesbaren, offenen Formaten anzubieten und damit Open 3 zu garantieren. Bei vielen Dateien ist dies sicher unproblematisch (z.B. wenn in der Verwaltung sowieso Excel-Tabellen geführt werden), in anderen Fällen fehlen noch die notwendigen Schnittstellen, oder aber die Aufbereitung der Daten ist mit viel Aufwand verbunden. Es schließen sich die praktischen Fragen nach einer Standardisierung, nach Auswahl einer geeigneten Portalplattform und nach einer sinnvollen Beschreibung der Datensätze an. Aber auch hier gilt: Rom wurde nicht an einem Tag erbaut.

Offene Daten – offene Fragen

Wie sich zeigte, steht das „Offene“ im Namen des Moerser Datenportals auch für die offenen Fragen, die es rund um das Thema Open Data noch zu beantworten gilt. Die Diskussion der letzten Tage und Wochen rund um das „Datenportal für Deutschland“ war gut und wichtig und muss auch unbedingt weitergeführt werden. Manchmal wünschte ich mir, sie würde mit weniger Biss geführt, aber es steckt offensichtlich viel Leidenschaft für das Thema im Spiel. Das mag ja durchaus förderlich sein…

Am Ende bleibt für mich der Rat: Wille zur Lücke!

Eingereicht von auf 19. Februar 20132 Kommentare | 6.044 Aufrufe

2 Kommentare »

  • Ich finde das ganz toll, dass Moers jetzt auch Open Data anbietet. Damit wird die Lücke zu USA, UK, Österreich, Brasilien und Indonesien (wo heute Francis Maude vom britischen Cabinet Office an einem Treffen der weltweiten Open Government Partnership teilnimmt)etwas kleiner.

    Trotz der vielen Lizenzfragen bin ich immer noch großer Fan des §5 des Urhebergesetzes, nach dem Bekanntmachungen als amtliche Werke urheberechtsfrei sind. Auf urheberrechtsfreie Sachen kann man nicht mal eine CC0 geben 🙂

    Besonders stolz bin ich, dass die Stadt Moers, aus deren ehemaligen Landkreis ich stamme, nun in einer Reihe mit anderen Weltstädten wie Hamburg, Wien und Berlin steht. Das gib mir Hoffnung, dass wir nach Überwindung der Diskussion, ob man dem Bürger die Daten geben darf, die er bezahlt hat und wenn ja, ob und mit welcher Lizenz, nun die Augen darauf richten können, wie wir Anwendungen bauen können, damit diese Daten beim Bürger großen Nutzen entfalten können. Und nicht nur kleinen Nutzen wie bei der Toiletten-App, sondern auch großen, wie ich in meinem Umzugsszenario einer Familie beschrieben habe, das der eine oder andere ja kennt:
    http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/2013/01/07/open-data-die-nachste-runde/

    Bei mir assoziert der „Wille zur Lücke!“ den „Mut zur Lücke!“ und das wiederum lässt mich an Johannes Rau erinnern, der seine Regierungserklärung 1980, als ich gerade für die Stadt Moers kurzzeitig arbeitet, überschrieb mit „Mut zur Zukunft!“

    Glückauf nach Moers!

  • Bernhard Krabina sagt:

    Ich freue mich sehr, dass sich das KDZ-Vorgehensmodell als nützlich erwiesen hat! Beste Grüße aus Wien!

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