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Nationaler Aktionsplan Open Data: Bericht vom Meilenstein-Workshop

1. Februar 2015 – 13:31 | Kein Kommentar | 12.370 Aufrufe

Die Bundesregierung hat im Juni 2013 die Open Data Charta der G8 unterzeichnet und sich damit zu konkreten Handlungsschritten verpflichtet. Mit einiger Verspätung wurde nun ein Aktionsplan Open Data unter Federführung des BMI entworfen, der diese …

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Briten stellten Obamas Data.gov-Portal in den Schatten


Open Data wird mehr und mehr zur Realität – in anderen Ländern

Großbritannien hat als erstes europäisches Land ein nationales Datenportal aufgebaut – ein „eigenes Data.gov“ – und stellt damit sogar das amerikanische Vorbild in den Schatten. Mit dem Portal setzen die Briten neue Maßstäbe im Bereich Open Data.

Data.gov.uk Homepage

Zum Start am 19. Januar 2010 war Data.gov.uk bereits mit der beachtlichen Anzahl von mehr als 2.500 Datensätzen ausgestattet. Täglich werden es mehr. Damit ist Data.gov.uk deutlich umfangreicher als das Portal der US-Regierung (data.gov), das aktuell rund 1.000 Datensätze verfügbar macht. Aber nicht nur bezüglich des Umfangs der Daten sondern auch inhaltlich zeigen sich die Briten noch deutlich offener als das amerikanische Vorbild. Während in den USA zahlreiche eher „trockene“ Daten des US Militärs veröffentlich wurden, kann man im britischen Datenbestand brisante Details wie „Suizide und ungeklärte Todesfälle in der Armee“ finden. Viele Daten kommen aus den Bereichen Finanzen, Gesundheit, Bildung, Verkehr und Umwelt.

Die konsequente Umsetzung des britischen Open Data Engagements kommt nicht von ungefähr. Die britische Regierung hat sich Unterstützer unter den Top-Internet-Strategen des Landes gesucht. Premierminister Gordon Braun hatte u. a. Tim Berners-Lee, den Vater des World Wide Web, als Strategen mit ins Boot geholt. Dabei ist Data.gov.uk nicht die erste, sondern eine von mehreren Maßnahmen, die internationale Aufmerksamkeit und große Anerkennung finden. So wurde in 2009 der Ideenwettbewerb für Open Data Anwendungen „Show us a better Way“,  zu einer viel zitierten Best Practice. Mit dem Wettbewerb wurden die besten Mash-up Ideen für die Nutzung öffentlicher Daten gesucht und ausgezeichnet. Aber auch mit dem in 2009 veröffentlichten Leitfaden zur Nutzung von Social Media durch Behörden stellte sich UK an die Spitze des Government 2.0 in Europa.

Bereits im September 2009 wurde eine Betaversion des mit Linux, Drupal und Mediawiki umgesetzten Open Data Portals gestartet. Mehr als 2.400 Entwickler hatten sich registriert, um die Seite zu testen und Feedback zu geben. Neben den ersten Daten waren damals auch zehn Anwendungen (Apps) verfügbar, wie z. B. ein Informationsdienst ( Planning Alerts), der per E-Mail mitteilt, wenn es neue Planungsvorhaben in der Nachbarschaft gibt oder „Fill That Hole“, das der Meldung von Schlaglöchern und anderen Straßenhindernissen dient.

Data.gov.uk - IdeenplattformDas Portal ist jedoch nicht nur Datenquelle, es dient auch dem Crowdsourcing für gute Ideen, weitere Innovationen – nicht zuletzt zur Verbesserung des Portals selbst. Die Homepage titelt „Unlocking Innovation“. Es ist schwer nachvollziehbar, warum Deutschland als Land der Ideen diese Potenziale nicht erkennen kann oder mag – zumindest nicht auf politischer Ebene.

Das Portal unterstützt auch andere Formen von Zweiwegekommunikation, wie sie für eine gute Web 2.0 Anwendung heute Standard sein sollte. Dazu gehört ein Abschnitt, in dem die neu entwickelte Anwendungen eingereicht aber auch angesehen und genutzt werden können. „Show us what you can“ heißt dieser Bereich – Ansporn für die Kreativität der Community.

Was die britische Regierung zur Umsetzung des Datenportals motiviert hat, bringt Stephen Timms (Minister for Digital Britain) auf den Punkt:

„This is a tremendous opportunity for UK firms to secure better value for money in service delivery and to develop innovative services which will help to grow the economy“.

In Vorbereitung dieses Ziels veröffentlichte die britische Regierung im Dezember 2009 das Positionspapier „Smarter Government“, das den Aufbau umfassender medienbruchfreier Services und mehr Transparenz innerhalb der nächsten fünf Jahre beschreibt. Dazu wurden neue Richtlinien gestaltet, die die Veröffentlichung von Datenpaketen, Weiternutzung möglich und kostenlose Datennutzung ermöglichen. Es sollen künftig mehr Daten veröffentlicht werden, vor allem aus den Bereichen Gesundheit, Wetter, Verkehr, und zwar unter offener Lizenz, sodass eine Weiterverwendung inklusive kommerzieller Verwendung möglich ist. Diese Chance der Förderung von Kreativität, Wettbewerb und Wirtschaft hatte auch die Amerikaner (zusätzlich zur Schaffung von mehr Transparenz) zur Umsetzung von Data.gov bewogen.

Data.gov.uk TwitterstreamBeim UK Datenportal wird auch adequat kommuniziert – mit eigenem Blog und Twitterstream. Das Account gehört dem Director Digital Engagement,  Andrew Stott.

Deutschland hat lange gebraucht, um die Funktion eines CIO auf Bundesebene zu etablieren. Vielleicht wird es schneller gehen, einen Direktor für die digitale Gesellschaft auch hierzulande einzusetzen. Vielleicht twittert ja auch bald unser Bundes CIO…

Open Data Portale sind jedoch nicht nur auf nationaler Ebene interessant, sondern bieten auch auf kommunaler oder föderaler Ebene Potenziale. Ein Beispiel für ein regionales Datenportal gibt es in London. Bereits Anfang Januar wurde dort der Prototyp eines „Online-Data-Store“ eröffnet und erste Datensätze online gestellt. Unter http://data.london.gov.uk/ sollen ab Ende Januar 2010 auch Daten über die Leistung von Schulen, über Brände, Verbrechensraten, Kohlendioxidausstoß oder Wartelisten von Krankenhäusern – insgesamt 200 Datensets – zugänglich sein. Der Data-Store ist einfach und übersichtlich strukturiert. Man kann die Datensätze nach Alphabet oder Thema darstellen. Über eine Suchfunktion läßt sich individuell nach Schlagwort, Wortgruppen oder Tags filtern. Vorbilder für das Projekt sind z. B. San Francisco oder auch Chicago. Auch die kanadische Stadt Edmonton hat ein eigenes Datenportal auf ein Cloud-Plattform entwickelt (siehe dazu unseren Artikel).

Nationale Open Data Initiativen gibt es inzwischen in vielen Ländern, z. B. in den USA, in Kanada, in Neuseeland, in Australien und den Niederlanden. Man kann Tim Berners-Lee nur zustimmen, wenn er in einem BBC Interview sagt:

„It’s such an untapped resource“.

Mit anderen Worten ausgedrückt, es geht um eine fast unerschöpfliche und bislang völlig unberührte Ressource, deren Nutzung sich wirklich lohnt. In Deutschland ist das noch Zukunftsmusik. Zumindest in Politik und Verwaltung steht ein Data.gov.de noch nicht zur Debatte. In Netzcommunity und Zivilgesellschaft sieht das ganz anders aus. Da nimmt die Gestaltung von Open Data schon recht konkrete Formen an. Das Government 2.0 Netzwerk wird sich gemeinsam mit dem Open Data Network für das Thema Open Data in Deutschland einsetzen. Neben einem Wettbewerb „Apps for Democracy“ und den bereits angekündigten Hackdays wird es auch auf dem 2. Government 2.0 Camp im Herbst 2010 Gelegenheit für einen Austausch zu aktuellen Open Data Entwicklungen geben.

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Eingereicht von auf 22. Januar 2010Kein Kommentar | 4.209 Aufrufe

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