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Nationaler Aktionsplan Open Data: Bericht vom Meilenstein-Workshop

1. Februar 2015 – 13:31 | Kein Kommentar | 9.480 Aufrufe

Die Bundesregierung hat im Juni 2013 die Open Data Charta der G8 unterzeichnet und sich damit zu konkreten Handlungsschritten verpflichtet. Mit einiger Verspätung wurde nun ein Aktionsplan Open Data unter Federführung des BMI entworfen, der diese …

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Alles XML oder was? Fast ein Jahr Open Data – ein Fazit


 

Der Autor, Claus Arndt , ist bei der Stadt Moers Referent des
Bürgermeisters für E-Government und Neue Medien. Er leitet zudem den Fachdienst Zentrale Dienste und ist u. a. zuständig für den Web-Auftritt, Social Media und das Open Data-Portal der Stadt.

Claus Arndt bei Twitter: @derarndt

 

Am 15. Februar 2013 ist die Stadt Moers mit ihrem Open Data-Portal online gegangen – gleichzeitig mit Hamburg und kurz vor GovData. Zeit für eine Bilanz, persönlich, kommunal.

Nein, es ist kein Ruck durch Deutschland gegangen. Man könnte eher sagen, es ruckelt im Open Data-Getriebe der Republik. Drücken wir es blumiger aus: Der Samen ist gesetzt, aber nur ein zartes Pflänzchen lugt gerade eben über Bodenkrume. Nur sehr, sehr wenige Städte und Gemeinden sind seit dem Start von GovData mit neuen Angeboten in die Öffentlichkeit gegangen. Blicke ich hier am Niederrhein in die Runde, so hat bisher neben Moers keine der 42 Anwenderkommunen des Kommunalen Rechenzentrums Niederrhein den Schritt Richtung Open Data gewagt. Worin liegen die Gründe für die Zurückhaltung? Arbeitsaufwand? Kosten? Lizenzfragen? Technische Unsicherheiten?


Kulturwandel? Ja – vielleicht – nein.

All diese Dinge spielen sicher eine Rolle. Ganz bestimmt gibt es auch noch ein irrationales Element in den Spiel, ein Gefühl des Misstrauens gegenüber Prozessen der Öffnung, vor allem, wenn man dann auch noch von der Community getrieben wird (laut „Lexikon des ewigen Verwaltungshandelns“ wird Community ja bestimmt als „Undefinierbare Gruppe von selbsternannten Experten [Nerds, Hacker], die in oft radikaler Weise gegen bewährtes Verwaltungsdenken angehen – zumeist in unklarer, selten guter Absicht. Lieblingsgetränk: Club-Mate“). Daher schreien alle Digitalisten, Web-Evangelisten, Partizipationstreiber, OpenGovler und (eher wenige) Verwaltungsmenschen das Wort der Worte in den Äther: Kulturwandel!

Aber ich glaube, der Weg von mittelalterlicher Arkan-Denke hin zu einer Strategie der Offenheit ist gar nicht mehr so weit, wie die Twitter- und Bloggerszene meint. Überbordende kommunale Internetangebote, Ratsinformationssystem noch und nöcher, Online-Beteiligungen, Bürgerhaushalte, Anliegenmanagment, Foren, Social Media-Einsatz – all das (und noch mehr) spricht eigentlich eine andere Sprache! Mit gelassener Selbstverständlichkeit werden seit Jahre schon PDF-Haushalte in die kommunalen Websites eingespielt. Was, in Communitys Namen, soll den Kämmerer daran hindern, dasselbe Zahlenwerk nicht auch als XLM-Datensatz bereitzustellen? Die Antwort kann banaler sein als man denkt: Er fragt sich (bzw. mich), warum wir den Haushaltsplan denn auch als in XML-Form anbieten sollen, was ja schließlich (mindestens) den doppelten Aufwand bedeuten würde.

Worüber sprechen wir überhaupt?

Für das Nachfolgende gilt es im Kopf zu behalten, dass ich über eine größere, kreisangehörige Kommune spreche, keine Millionenstadt, kein Land, keine Bundesbehörde, keine kommunale GmbH, und damit – abwärts gedacht bis zu Kleinstgemeinden –geschätzt über 95 Prozent der kommunalen Landschaft.

Ich rede also von Bevölkerungsstatistiken, von uns erhobenen kommunalen Geodaten, Haushalt, Infrastrukturdaten, Statistiken aus dem Kulturbereich, Bebauungsplänen, Wahlergebnissen, Ratsinformationssystemen etc. Ich rede nicht von den Daten, die uns nicht gehören, sondern dem Land (Bildung, Umwelt, Wirtschaft etc.), kommunalen Gesellschaften (ÖPNV, Energie etc.), dem Kreis (Katasterdaten, Gesundheit etc.) und vielen anderen. ODMoers

Diese Differenzierung sollte man im Blick haben, wenn man über Open Data in Kommunen spricht und entsprechende Angebote einfordert (über das ärgerliche Thema „Schnarchdaten“ habe ich an anderer Stelle schon geschrieben).

 

 

Nutzen, zeigt mir den Nutzen!

Zurück zur guten Frage des Kämmerers: Warum sollten wir das tun? Ich verweise also auf die bunte Welt offener Haushalte, in der mit einer innovativen, vereinfachten Darstellungsweise kommunales Finanzgeschehen nachvollziehbarer präsentiert wird und somit Bürgerinnen und Bürger einen besseren Zugang zu dieser komplizierten Materie erhalten. Ich füge hinzu, dass man es Interessierten durch die Zurverfügungstellung des Haushaltes in einem offenen, maschinenlesbaren Format die Umsetzung solcher Visualisierungen erheblich einfacher machen könnte. Das versteht man. Seitdem gibt’s den Moerser Haushalt in XML im Open Data-Portal. Sehr schön – und weiter?

Ganz frisch ist in NRW mit Blick auf die im Mai anstehende Kommunalwahl die Idee aufgetaucht, zum Thema Open Government Kommunalwahlprüfsteine zu entwickeln. Es ist im Entwurf u.a. zu lesen:

„Die Kommune verfügt über einen großen Bestand an nichtpersonenbezogenen Daten. Durch die Freigabe dieser Datenbestände in maschinenlesbarer Form (Open Data) können neue Serviceangebote entwickelt, die Bürgerbeteiligung gestärkt, die Wirtschaftsentwicklung forciert und Optimierungspotentiale erschlossen werden. Sollte Stadt XY ihre nichtpersonenbezogenen Daten auf einem Open Data-Portal zugänglich machen?“

Die Hervorhebungen sind von mir und weisen auf nur einen kleinen Teil der im Zusammenhang mit Open Data immer wieder genannten Vorteile. Behaupten kann ich jedoch vieles – aber steht der Beweis vielleicht noch aus? Ich frage also bewusst ketzerisch: Wo sind die coolen Anwendungen, die auf den kommunalen Daten basieren? Wo sind die Wissenschaftler, die mit den Daten die Forschung vorantreiben? Wo sind die Datenjournalisten lokaler oder regionaler Medien, die auch nur ein Interesse an Daten anmelden? Wo sind die Unternehmen, die innovative Ideen entwickeln oder überhaupt ein Vorstellung davon haben, wie sie die Daten wirtschaftlich gewinnbringend nutzen möchten? Auf was können kommunale Treiberinnen und Treiber also verweisen, wenn es an die Überzeugungsarbeit in Verwaltungsführung und Politik geht, z.B. in einer kleinen Kommune am Niederrhein?

Von der Hol- und der Bringschuld und dem Schneekönig

Ich spiele den Ball also ganz einfach mal zurück in das Feld der Community oder der netzpolitischen Protagonisten. Es reicht nicht, Open Data in eurer Kommune einzufordern und dabei auf Potenziale zu verweisen, deren Einlösung in den Sternen steht. Zeigt den Zaudernden, was man mit den Daten machen kann. Liefert Beispiele (aber bitte echte Open Data-Beispiele!), entwickelt Ideen. Allein der Hinweis auf die Minimalposition, die Daten seien doch durch Steuergelder finanziert und man habe daher einen Anspruch auf die Veröffentlichung, lockt keinen Zweifler hinter dem Ofen hervor. Wir geben euch Daten (auf GovData sind es zigtausende, in Moers über 70 Datensätze mit deutlich steigender Tendenz). Macht etwas damit. Anwendungen und Ideen liefern erheblich bessere Argumente als die gebetsmühlenartige Wiederholung von Forderungen und Nutzenbehauptungen!

Blicken wir konkret auf Moers. Was ist bisher geschehen? Hier hat sich in den ersten elf Monaten des Portals tatsächlich jemand wie ein Schneekönig über unsere Vornamenstatistiken der letzten Jahre gefreut, die uns das Standesamt geliefert hat, echte Schnarchdaten also, die nun mit anderen Daten in einer schönen, kleinen App zusammengeführt werden sollen (mehr wird nicht verraten). Das ist gut.

Ein echter Hammer und ein cooles Projekt

Aber in Moers (oder sagen wir besser: im Ruhrgebiet) hat sich die Community auch von ihrer besten Seite gezeigt. Auf Basis des von Marian Steinbach für Köln entwickelten alternativen Ratsinformationssystems Offenes Köln hat die Initiative OpenRuhr das Ratsinformationssystem der Stadt Moers mit Unterstützung der Open Knowledge Foundation Deutschland als offenes Ratsinformationssystem umgesetzt. Die Stadt Moers hat inzwischen die Inhalte des Ratsinformationssystems unter eine CC BY gestellt, nur technisch bewegen wir uns noch nicht im Bereich Open Data. Hier warten wir gespannt auf die Entwicklung des offenen Standards für Ratsinformationssystem OParl. Screenshot Open Ruhr

Die Ratsmitglieder, denen ich das System in einem Ausschuss präsentiert habe, waren davon angetan, und ich war froh, den Nutzen von Open Data an einem Beispiel mit lokalem Bezug verdeutlichen zu können.

Aktuell arbeiten wir mit zwei E-Government-Studenten der Hochschule Rhein-Waal und dem Moerser Gymnasium Adolfinum an einem Projekt, das den Nutzen von Open Data für den schulischen Unterricht verdeutlichen soll. In einer Studie von Fraunhofer Fokus für die Stadt Köln stand nämlich:

„Der grundsätzlich breite Themenraum, den offene Verwaltungsdaten zu verschiedenen fachlichen Bereichen wie Geographie, Biologie oder Umweltthemen abstecken können, kann die Zielgruppe Bildung in ihrer Arbeit unterstützen, indem diese Daten für die Wissensvermittlung an Schulen genutzt werden können. Akteure des Bildungssektors haben durch offene Verwaltungsdaten die Möglichkeit, aus einer vertrauenswürdigen Quelle aktuelle Daten, wie etwa die Verteilung von Bodenschätzen oder Bevölkerungsdaten, interaktiv in den Unterricht einzubinden und so über den Tellerrand des zumeist eher statischen Unterrichtsmaterials zu blicken.“

Das liest sich toll! Allein: Der Beweis für diese kühnen Feststellungen muss wohl erst angetreten werden. Und genau dies ist die Aufgabe des Projektes „Open Data und Schule“, zu dem es inzwischen im Wiki der Schule einen Eintrag gibt. Am Ende soll möglichst ein Vorgehensmodell stehen, das anderen Schulen zur Verfügung gestellt werden kann. Dazu sollen in Zusammenarbeit mit den Studenten, Schülern und den Lehrern inhaltliche Fragestellungen erarbeitet und technische Lösungswege beschrieben werden (z.B. Visualisierung von Daten; Vergleich bestehender Möglichkeiten mit den neuen Möglichkeiten, Beschreibung eines Toolkits). Das ist spannend und lehrreich. Lehrreich ist es auch deshalb, weil man feststellen musste, dass gerade unser Haushalt in XML-Form nicht geeignet ist, über eine Plattform wie https://openspending.org/ einfach visualisiert zu werden. Trotz toller Hilfe der via Twitter angesprochenen Community ist es bisher nicht gelungen, unseren Open Data-Haushalt für den Unterricht nutzbar zu machen (s. unsere Problemskizze). XML entspricht zwar den Open Data-Prinzipien, scheint aber für Offene Haushalte die falsche Dateiform zu sein…

Über die Verteilung der Rollen

Das Projekt ist nicht nur inhaltlich interessant, es weist auch auf die aktuellen Strukturen in der Open Data-Landschaft. Sei es dieses Projekt, seien es App-Wettbewerbe oder Einladungen zu Hackdays: Die kommunalen Treiber scheinen gezwungen, den Nutzen von Open Data selbst beweisen zu müssen. Man treibt die Community (hier im Sinne all derer zu verstehen, die von Open Data profitieren könnten) selbst zur Jagd! Weniger provozierend ausgedrückt könnte man sagen, dass wir es als unsere eigene Aufgabe sehen, die Rahmenbedingungen für die Nutzung von Open Data zu fördern. Gleichwohl deutet vieles darauf hin, dass sich hier klammheimlich ein witziger Rollentausch vollzieht, der eines offenlegt: Nicht nur die Verwaltung steht beim Thema Open Data am Anfang, sondern auch die Netzgemeinde.

 

Aus meiner Sicht ist es höchste Zeit, dass beide Player ihre Rollen ernst nehmen und ausfüllen.

Eingereicht von auf 13. Januar 20145 Kommentare | 20.785 Aufrufe

5 Kommentare »

  • […] Der Autor, Claus Arndt , ist bei der Stadt Moers Referent des Bürgermeisters für E-Government und Neue Medien. Er leitet zudem den Fachdienst Zentrale Dienste und ist u. a.  […]

  • […] Der Autor, Claus Arndt , ist bei der Stadt Moers Referent des Bürgermeisters für E-Government und Neue Medien. Er leitet zudem den Fachdienst Zentrale Dienste und ist u. a.  […]

  • Andreas Schreiber sagt:

    Hallo Claus,

    Du hast hier sehr gut die allgemeine Lage zu Open Data beschrieben. Eigentlich ist jeder Versuch der Rechtfertigung warum man selber (die eigene Verwaltung/Kommune) noch nicht angefangen hat eine Ausrede. Denn die Daten sind da und der Aufwand (eigentlich) gering. Auch ich selber war im letzten Jahr voller Enthusiasmus und wollte das bei uns so schnell wie möglich starten.
    Aber (und hier kommt der Versuch einer Rechtfertigung), es ist eben doch nicht so einfach gemacht.
    Zuallererst bedarf es Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die das Thema für sich erkennen und die sich dann auch noch die Zeitanteile „freischaufeln“ können. Es sind doch viele interne Gespäche zu führen und Überzeugung zu leisten.
    Dazu kommt, wie starte ich, wo stelle ich die Daten ein und wie verabrede ich mit den Dateneignern die regelmäßige Aktualisierung. Alles eigentlich „leichte“ Aufgaben.

    Beim Thema OpenData würde ein klein wenig zentralistischer Druck viel helfen können. In der Art, die Daten XY sind bis zum XX.XX. unter der Adresse zzu bereit zu stellen.
    so bedarf es in jeder Kommune einem der sich des Themas annimmt und die anderen „mitreißt“.

    Auch beschreibst du sehr gut das „Henne-Ei-Prinzip“. Warten wir erst auf App’s oder stellen wir erst die Daten bereit, in der Hoffnung, dass sie jemand benutzen wird.

    Was aus meiner Sicht jedoch unrealistisch ist, ist der Gedanke, dass jemand aus meiner Stadt oder meinem Kandkreis findet der nur für meine Daten eine App entwickeln wird. Auch hier kommt das Thema interkommunale Kooperation ins Spiel. Je mehr Kommunen in der gleichen Art und Weise gleiche Daten bereit stellen umso größer die Chance für eine Nutzung.

    Ich möchte am Schluss noch klarstellen: Ja, ich bin ein Anhänger von OpenData und hoffe im Kreis LUP und im Land MV Mitstreiter finden zu können mit denen wir gemeinsam das Thema angehen. Ein erster sehr guter Ansatz ist in Rostock gemacht worden. Hier werden wir gemeinsam ins Gespräch kommen. Als AG IuK der Landkreise in MV werden wir auf der nächsten Sitzung den OD-Ansatz aus Rostock mit den Rostockern diskutieren.

    Ich freue mich auf eine intensive Diskussion.

    Schöne Grüße aus Parchim in Mecklenburg

    Andreas Schreiber

  • pudo sagt:

    Spannender Artikel, vielen Dank für den Einblick!

    Zum Thema XML-Haushalt: ich hab das angebotene File mal in OpenSpending geladen, allerdings ist es mir nicht gelungen, aus dem Datensatz sinnvolle Inhalte zu extrahieren (also die Tabellen aus dem PDF zu reproduzieren, z.B. ohne double counting). Das veröffentlichte XML ist zwar maschinenlesbar, aber eine Art Druckvorstufe.

    Sicher kann man das dennoch richtig hin kriegen, wir können ja mal telefonieren.

    Viele Grüße,

    – Friedrich

  • Claus Arndt sagt:

    Danke Andreas, danke Friedrich.

    Da das Thema „Henne und Ei“ von Andreas und via Twitter schon einmal ins Spiel gebracht wurde, möchte ich dazu etwas klarstellen.

    Ich habe die Metapher absichtlich vermieden, damit es nicht zu einer unsinnigen Debatte darüber kommet, wer denn nun in Vorleistung gehen soll. Daher fordere ich ja auch: „Liefert Beispiele (aber bitte echte Open Data-Beispiele!), entwickelt Ideen.“ Die Beispiele müssen ja nicht aus Deutschland kommen. Es ist ja übliche Praxis, auf die Erfolge von Open Data in anderen Ländern zu verweisen. Schaut man sich diese Beispiele allerdings etwas genauer an, ergeben sich meist zwei Probleme:

    a) Es handelt sich oft nicht um die Umsetzung von Datensätzen der Behörden durch Dritte, sondern um Webangebote/Anwendungen der Behörden. Somit liegt nicht der klassische Fall von Open Data, sondern von Transparenz vor – zwei unterschiedliche Dinge (die natürlich auch zusammenauftreten können).

    b) Es werden Daten verwendet, die in Deutschland in den allermeisten Fällen nicht in kommunaler Hand liegen: So kann ich aus eigener Herrlichkeit in Moers z.B. keine Gesundheitsdaten, Schul- oder Kitabewertungen, Umweltdaten (bzw. nur wenige), Gesundheitsdaten, Wirtschaftsdaten etc. liefern. Das geht den Verantwortlichen in den meisten anderen Kommunen auch so. Was nützen mir dann also die tollen Open Data-Anwendungen der großen Welt: Echtzeitbewegungen von Flugzeugen, Zügen und Straßenbahnen, Gewalttaten-Maps, Sterbequotenportale britischer Krankenhäuser, Schattenwurfkarten von Windkraftanlagen etc.?

    Hier passen Wolkenkuckucksheime und Datenlage in den Kommunen nicht übereinander!

    Mein Wunsch daher: Es müssen Beispiele her, die näher an der kommunalen Realität sind.

    Wenn es keine oder wenig Beispiele gibt, dann müssen eben Ideen her! Es können Visionen auf den Tisch, die über den Zustand reiner Behauptung hinaus einen Kern realistischen Umsetzungspotenzials enthalten. In Sachen Haushalt und Ratsinformationssystem hat das gut funktioniert: Hier stand die Vision vor der Henne, die uns in Moers das Ei ins Nest gelegt – wenn man so will…

    Aber diese Ideen und Visionen müssen sich an der Realität des verfügbaren Datenmaterials in Kommunen orientieren, wenn man mit der Kraft des Arguments und nicht allein mit der Wucht der ideologischen Keule Veränderungen in den kommunalen Verwaltungen herbeiführen möchte.

    Mancherorts gibt es ja Verwaltungsmenschen, die zumindest wittern, was mit Open Data in Zukunft alles möglich sein wird: In Köln, in Bonn, in Wennigsen, in Rostock, Moers etc. Aber die überwiegende Mehrheit benötigt eher ein Set an echten Beispielen und Ideen. Das würde die Arbeit für viele Treiber erheblich vereinfachen.

    Vielleicht legt ja mal jemand eine Webplattform an, ein Open Data-Muster-Wiki oder ähnliches…

    Und @Friedrich: Herzlichen Dank für dein Unterstützungsangebot: Entweder komme ich oder es kommt einer meiner Studis (sind in Sachen technische OpenSpending-Probleme besser im Thema) auf dich zu. Es wäre super, wenn wir für das Schulprojekt hier noch etwas hinbekommen. Zwischenzeitlich klären wir aber noch, ob unser kommunaler IT-Dienstleister aus der SAP-Anwendung nicht doch noch eine schöne CSV-Datei mit der richtigen Struktur herausbekommt. Ich dachte ganz naiv, dass das bei einem solchen Produkt doch nicht so schwer sein könne…

    Beste Grüße
    Claus

  • Hallo Claus,

    das Thema Open Data ist in Deutschland nur was für unbelehrbare Optimisten. Egal ob man von Behördenseite oder aus Programmierersicht schaut, man muss an den Erfolg glauben und unbeirrt dran arbeiten.

    Besonders für und mit Kommunen ist das schwierig. Sie können nur kleine Datensätze zur Verfügung stellen (keine tonnenweise Energiedaten wie Berlin). Aber darin liegt die Chance. An kleinen Dateien kann man gut lehren und lernen. Die Kommunen mit Open Data müssen an die Unis, Bildungseinrichtungen oder direkt an die Sekundarschulen gehen. Dort gibt es viele neue Ideen und mit lokalen Daten spielt man eh am liebsten.

    Richtige App-Entwickler schauen auf Kosten und Nutzen. Den wird es nicht geben bei kommunalen Open Data; noch nicht. Nehme ich mal ihren Moerser Datensatz zu den Sehenswürdigkeiten. Der ist gut gefüllt und hat viele brauchbare Informationen. Eine Touri-App mit „versteckten Sehenswürdigkeiten“ oder „100 Dinge, die sie im Urlaub sehen sollten“ ist denkbar. Aber eine Nur-Moers-App ist wenig hilfreich (für die Stadt schon). Es erfordert mehr Entwicklungsaufwand als sie Nutzen bringt. Sie wird auf Grund der geringen Downloadzahlen in den App Stores untergehen.

    Als Optimist würde ich natürlich versuchen sie flächenmäßig zu erweitern. Aber wenn nur Moers und keine der 42 anderen Anwenderkommunen am Niederrhein Daten zur Verfügung stellen wird das schwierig. Ich müsste jede Menge Klinken putzen. Und wenn alle anderen 42 ebenfalls bei Open Data mitmachen würden hieße das nicht, dass ich bei allen 42 einen Datensatz mit Sehenswürdigkeiten bekommen würde. Also bliebe wieder nur Klinken putzen.

    Ich habe nichts gegen das Putzen, aber wäre ich nicht unbelehrbar würde ich bereits im Vornherein die Finger davon lassen. Um einen überregionalen Programmierer anzulocken müssten sich die Kommunen zu einer kritischen Masse clustern und ähnliche Daten anbieten. Aber zur Zeit zerfällt Deutschland in kleine Dateninselchen. Nicht nur bei den Kommunen. Da hilft nur Augen zu, Mut zur Lücke und langes Durchhaltevermögen zeigen. Wo ist der nächste Kindergartenplatz? Kann ich ihnen sagen, wenn sie 300 km weiter nördlich wohnen oder sie noch 2 Jahre Geduld haben und warten. Solch eine App kann ich ihnen gerne anbieten – dem Nutzer wird sie schwerlich gefallen.

    Viele Grüße,
    Thomas

  • Claus Arndt sagt:

    Hallo Thomas,

    schön gesagt: „unbelehrbare Optimisten“. Ich zähle mich ja auch dazu 🙂

    Aber genau das meinte ich, dass Ideen, praxisnahe Ideen, auf den Tisch kommen müssen, wie es die Entwicklung deines Beispiels zu den Sehenswürdigkeiten andeutet.

    Hierzu vielleicht gleich mal der Hinweis: „Mein“ Open Data-Student Elmar Burke hat im letzten Jahr auf die Schnelle eine Idee zu den Sehenswürdigkeiten (und den Unterkünften) aus unserer JSON-Api umgesetzt:Moerser Sehenswürdigkeiten und Unterkünfte. Die Idee, unsere Daten mit der OSM und den Daten zum ÖPNV mmiteinander zu verknüpfen, fanden wir so gut, dass wir sie gleich bei unseren Spielplätzen umgesetzt haben, wie das Beispiel zeigt. So ensteht eine Ahnung davon, was mit Open Data auch auf kommualer Ebene möglich ist.

    Von solchen Ideen, Mustern, Umsetzungen brauchen wir noch viel mehr. Das kann aber nicht von den Kommunen geleistet werden, sondern von der Community.

    Dann können wir demnächst auch die belehrbaren Optimisten mit ins Boot holen.

    Beste Grüße
    Claus

    P.S.: Vornamen 2013 sind seit gerade komplett online…

  • […] Offene Daten bleiben eine freiwillige Angelegenheit: "Viele Kommunen scheuen zurück, weil die Folgekosten ungewiss sind." Dazu kommen ungeklärte Fragen bezüglich der Lizenzen, unter denen die Datensätze stehen soll. Mehraufwand sieht auch Palmetshofer als das größte Problem. Doch nicht nur finanzielle und rechtliche Hürden gäbe es. Arndt glaubt auch, dass sich Verwaltungen dem Druck aus der Open-Data-Community nicht beugen wollen: "Es gibt eine Scheu vor den Nerds." Deshalb müsse der Nutzen von offenen Daten klarer werden, um ein Rechtfertigungsproblem zu vermeiden: "Ein dringender Appell von mir ist: Sagt, was ihr damit macht", findet Arndt. "Allein der Hinweis auf die Minimalposition, die Daten seien doch durch Steuergelder finanziert und man habe daher einen Anspruch auf die Veröffentlichung, lockt keinen Zweifler hinter dem Ofen hervor", schreibt er auf dem Government 2.0 Blog. […]

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