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Die Open.NRW-Strategie: Mehr Demokratie 2.0 wagen

30. Mai 2014 – 10:08 | Kein Kommentar | 942 Aufrufe

Der Autor, Dieter Spalink, ist im Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen Projektleiter von Open.NRW.
Nordrhein-Westfalen macht sich auf den Weg zu mehr Offenheit und Transparenz. Am 27. Mai 2014 hat die Landesregierung die …

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Abholen statt Einladen


Wir haben uns im Vorstand des Government 2.0 Netzwerk entschieden, in diesem Jahr auf ein eigenes Barcamp zu verzichten. Das mag vielleicht erst einmal überraschen und den ein oder anderen enttäuschen, hat aber einen tieferen Sinn.

Einerseits haben wir – durchaus mit geänderten inhaltlichen Schwerpunkten –von 2009 bis 2011 bereits drei Government 2.0 oder Open Government Camps ausgerichtet und damit in einer frühen Phase der 2.0/Open-Diskussion wichtige Impulse gesetzt, die jetzt auch breit, durch neue Formate und eine Vielzahl von Veranstaltungen aufgegriffen und weiter entwickelt werden. Der Schwerpunkt des diesjährigen Kongresses Effizienter Staat des Behörden Spiegel lautete z.B. “Perspektive Mitmach-Staat”, der im Mai stattfindende Bundeskongress Politische Bildung widmet sich dem “Zeitalter der Partizipation” – und wirbt übrigens mit einem WebTalk mit Birgitta Jónsdóttir, die auf unserem letzen Open Gov Camp die Keynote hielt. Dieser Veranstaltungsreigen setzt sich fort im September, in dem wir traditionell unser Camp durchführen, noch dazu mit zwei Barcamps – einer Veranstaltung der Bertelsmann-Stiftung zu Partizipation und dem Politcamp. Das Thema ist auf der politischen Agenda angekommen –  und das ist auch ein Erfolg unserer Arbeit, insbesondere unserer GovCamps. Darauf dürfen wir sicher stolz sein…

Andererseits müssen wir selbstkritisch feststellen, dass es uns – gemessen an unseren eigenen Maßstäben und Ansprüchen – wohl noch nichtausreichend gelungen ist, wesentliche Teile unserer eigentlichen Zielgruppen zu erreichen und zu aktivieren. Es macht großen Spaß und es ist immer wertvoll und wertschöpfend, wenn sich die Community auf den BarCamps trifft und dort sehr kreativ und engagiert arbeitet. Es ist sicher als großer Erfolg zu werten, dass das Bundesministerium des Innern (BMI) inzwischen regelmäßiger Gast und sogar aktiver Teilnehmer ist. Und es sind in Einzelfällen sehr engagierte Kommunalvertreter und der ein oder andere Landespolitiker aktiv.

Wenn wir aber mehr Momentum aufbauen wollen, müssen wir die ohnehin eingeschworenen Kreise verlassen und in den Dialog mit Verwaltungsmitarbeitern und lokaler Politik treten, mit den Entscheidern, Machern, Bremsern, Bedenkenträgern. Mit denjenigen, die heute nicht auf die Idee kämen, freiwillig zu etwas so Exotischem wie einem Open Government Camp zu reisen. Mit denjenigen, die noch nie etwas von Open Government gehört haben, mit denjenigen, bei denen Forderungen nach Transparenz und Offenheit, nach der Nutzung sozialer Medien eher Angst machen und Unsicherheit auslösen oder denjenigen, die den laufenden strukturellen gesellschaftlichen Wandel und die neuen Instrumente des Engagements und der Mitwirkung als Modeerscheinung abtun, die darin keinen Mehrwert oder nur Mehraufwand sehr oder die neuen Ideen immer noch von oben herab belächeln. In Deutschland arbeiten in der öffentlichen Verwaltung auf der Ebene des Bundes, der Länder und den ca. 12.000 Kommunen etwa 5 Millionen Menschen. Besonders in den Landes- und Kommunalverwaltungen arbeiten sie dabei an den Orten, wo Open Government konkret werden kann, wo persönliche Betroffenheit besteht. An den Orten, an denen Kollaboration und Partizipation keine theoretischen Konzepte sind, sondern unmittelbare Wirkung entfalten und wirklichen Nutzen stiften. Hier muss der Wille zu Veränderungen wachsen, diese Menschen müssen wir informieren und aufklären, diese Menschen müssen besser als bisher mit ihren Erfahrungen erreicht, abgeholt und mitgenommen werden.

Wir wollen daher – zumindest in diesem Jahr einmal – unseren Fokus ändern und nicht darauf warten, dass diese erweiterte Zielgruppe hoffentlich den Weg zu einer zentralen Veranstaltung in Berlin findet. Statt dessen wollen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten verstärkt und sehr gezielt mit Vorträgen und Workshops, im Rahmen von kleineren, lokalen Veranstaltungen wie Social Bars/Government Bars diese bislang kaum und unterversorgten Zielgruppen besuchen und auf sie zugehen. Wir wollen Angebote an Ausbildungseinrichtungen der Kommunal-, Landes- und Bundesverwaltung machen, die Kommunalpolitik treffen, wir wollen etablierte Fachveranstaltungen der Verwaltung mit unseren neuen Inhalten anreichern.

In den nächsten Wochen und Monaten werden wir daher gemeinsam einen Fundus von Angeboten, Vorträgen, Workshop-Drehbüchern und „How-to-organize…“ Checklisten generieren, der es einfach machen soll, selber initiativ zu werden. Alle Mitglieder des Government 2.0 Netzwerks und Unterstützer der vergangenen Open Government Camps werden gebraucht und sind eingeladen, sich einzubringen und dann mit den unterschiedlichen Materialien in ihrem Umfeld loszulegen. Auch wenn wir damit ein Barcamp weniger anbieten, hoffen wir auf diesem Weg letztlich mehr zu erreichen und die Kraft und die Kompetenz des Government 2.0 Netzwerks in die Fläche zu tragen.

Den Erfolg dieses Vorgehens werden wir erkennen können, wenn auf dem Open Government Camp im nächsten Jahr dann deutlich mehr Verwaltungsmitarbeiter und Landes- und Kommunalpolitiker mitmachen werden.

Es gibt also auch in diesem Jahr nicht weniger, dafür aber anderes zu tun. Wir rufen deshalb all die uns schon immer treuen Mithelfer unseres Orga-Teams ebenso wie alle möglichen Interessierten innerhalb und außerhalb unseres Netzwerkes auf, uns auch 2012 zu unterstützen! Das Government 2.0 Netzwerk Deutschland arbeitet auch künftig weiter an der Verbreitung des Open Government-Gedankens und will auf vielen Veranstaltungen sichtbar vertreten sein. Deshalb sind wir auch in diesem Jahr dringend auf Eure Mithilfe und Eure Ideen angewiesen. Mitmachen ist angesagt!

Ach ja… natürlich haben wir vor – unabhängig vom Barcamp – auch in diesem Jahr wieder einen Open Government Hero küren!

Eingereicht von auf 8. Mai 20123 Kommentare | 4.874 Aufrufe

3 Kommentare »

  • Anke Knopp sagt:

    Der oben beschriebene Ansatz ist goldrichtig. Was nützt es, wenn die Community sich kennt und auch wächst, aber die Beharrungskräfte vor Ort zulegen. Es ist ein dickes Brett, das es zu bohren gilt – und eigentlich geht das nur, wenn gute Beispiele zeigen, dass Open government nicht wehtut, sondern Vorteile bringt, mit denen sich aktuelle Aufgaben in den Kommunen besser lösen lassen. Als Praktikerin vor Ort freue ich mich auf den Reigen an Material – und stelle gern selbst etwas zusammen.

  • Helena Peltonen sagt:

    Ich lobpreise diese Einsicht ! Die Gefahr, sich plötzlich auf einer dünn besiedelten Insel der Glückseligen zu finden ist jetzt groß. Jetzt muss Government 2.0 erfahrbar werden.

  • Ich habe mich aus dem Bereich Politik mehr oder weniger zurückgezogen, da ich mich als Privatperson nicht angesprochen fühle. Wo werden meine Bedürfnisse und Nöte beantwortet und angegangen? Eine Möglichkeit der Öffnung der politischen Arbeit kann eine Lösung sein, das angeschlagene Image wieder aufzupolieren. Die Herausforderung die entsprechenden Zielgruppen auch zu erreichen, schätze ich als äußerst schwierig und vor allen Dingen langwierig ein.

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