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Nationaler Aktionsplan Open Data: Bericht vom Meilenstein-Workshop

1. Februar 2015 – 13:31 | Kein Kommentar | 12.365 Aufrufe

Die Bundesregierung hat im Juni 2013 die Open Data Charta der G8 unterzeichnet und sich damit zu konkreten Handlungsschritten verpflichtet. Mit einiger Verspätung wurde nun ein Aktionsplan Open Data unter Federführung des BMI entworfen, der diese …

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3 Fragen zum Open Government Camp 2011 an die Organisatoren. Heute: Thomas Langkabel



1. Vom Gov20Camp2010 zum Open Government Camp 2011 – warum war die Änderung des Titels wichtig, welche Bedeutung hat die Änderung für Sie?

Das Thema hat in der Diskussion der letzten Jahre an Kontur und Profil gewonnen, es fügt sich ein in international vergleichbare Anstrengungen.
Dem Begriff „Open“ kommt dabei eine besondere, grundlegende Bedeutung zu. Es geht nicht nur um eine inkrementelle Weiterentwicklung der E-Government-Diskussionen der letzten ca. 11 Jahre, es geht um etwas völlig Neues, sowohl in der Erwartungshaltung der Bürgerinnen und Bürger gegen über dem Staat, also auch im Selbstverständnis der Verwaltung bei der Erfüllung ihrer Aufgaben. Mehr Transparenz, mehr Zusammenarbeit, mehr Beteiligung – ohne Offenheit funktioniert das nicht und das sollte sich auch im Titel des BarCamps widerspiegeln, deshalb nun also das „Open Government Camp 2011“.

2. Was ist Ihr persönlicher Antrieb, sich für Thema Open Government und insbesondere für das Open Government Camp 2011 zu engagieren?

Der konsequente Weg zu Open Government ist für mich eine ganz wesentliche Säule für die Fortentwicklung unserer Demokratie und zur Überwindung der Kommunikationsprobleme zwischen Bürgern, Verwaltung und Politik, die sich ja leider immer deutlicher abzeichnen. Open Government ist kein Selbstläufer, schon gar nicht im besonders komplex organisierten Deutschland, das zudem auch noch für einen hohen Grad an Bürokratie, für hierarchische Zuständigkeitsstrukturen und eine ausgeprägte Fixierung auf formale Prozesse steht. Für mich steht im Vordergrund – und deshalb finde ich das Open Government Camp 2011 so besonders wichtig – dass die verschiedenen Interessengruppen und Treiber des Themas nicht übereinander reden und sich gegenseitig mit Forderungen konfrontieren, sondern sich in einen niederschwelligen, informellen, kreativen und dynamischen Austausch wagen. Das hat in den letzten Jahren bereits großartig funktioniert und die Community mit Funktionsträgern in einer Weise zusammen gebracht, die in klassischen Kongressformaten nie funktioniert hätte. Wenn ich das gelegentlich mal bewusst etwas aus der Distanz betrachte, dann staune ich jedes Mal, wer plötzlich mit wem redet – auch über die BarCamps hinaus-, wie ansprechbar und kommunikationswillig die Verwaltung sein kann, wie plötzlich junge, hoch engagierte Menschen mit langjährigen, erfahrenen Verwaltungsinsidern um gegenseitiges Verständnis ringen, zu gemeinsamen Perspektiven kommen und sich auf konkrete Schritte und Maßnahmen einigen. Es macht Mut und Spaß, es ist sehr befriedigend und erfrischend, daran mitwirken zu können.

3. Wie beurteilen Sie den Stand von Open Government in Deutschland, wie die Perspektiven?

Ich mache mir da nichts vor, wir stehen noch relativ am Anfang. Auch wenn die Besucherzahlen der BarCamps der letzten Jahre und die Anmeldezahlen für dieses Jahr ein hohes Interesse zeigen, auch wenn sich in München und Berlin sehr erfolgreiche lokale Open Government Initiativen gebildet haben – weder in der breiten Bevölkerung, noch in Politik oder Verwaltung ist das Thema schon ausreichend angekommen. Man sollte da aber auch nicht zu ungeduldig sein, es gibt viele positive Signale, die für eine nachhaltig wachende Wahrnehmung sprechen. Das Thema OpenGovernment ist im Programm der Bundesregierung enthalten, es wurde vom IT-Planungsrat – also dem Abstimmungsgremium zwischen Bund, Ländern und Kommunen – als Fokusthema benannt… das sind schon sehr gute Signale. Perspektivisch scheint mir wichtig zu sein, dass einerseits ein Kulturwandel in der Verwaltung aktiv angeschoben werden muss, um Offenheit und Transparenz als neuen Impetus im Denken zu verankern. Andererseits müssen wir uns aber auch Gedanken darum machen, wie wir mit der angestrebten Transparenz und den neuen Partizipations- und Kollaborationsangeboten umgehen wollen und können. Wollen wir nur eine zusätzliche, massive Informationsflut aus der Verwaltung initiieren und dann mit möglichst vielen, bequemen Partizipationen über „One-Click“ oder „Gefällt“ Buttons zu einer Art Fast-Food-Demokratie kommen? Oder müssen wir nicht auch lernen, mit den zusätzlichen Informationen und Daten zu einer besseren Meinungsbildung zu kommen, um dann sachkompetent unsere fundierten Meinung über neue Kanäle einbringen zu können? Brauchen wir nicht eine Diskussion über Meinungsbildungskompetenz jenseits von Medienkompetenz? Ich glaube, diese Diskussionen müssen wir sowohl im Bereich der Verwaltungsausbildung als auch im Bereich der schulischen Bildung führen, damit Open Government wirklich zu einer Säule unserer gesellschaftliche Entwicklung werden kann.

Thomas Langkabel beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Modernisierungsprojekten und IT-Beratung für die Öffentliche Verwaltung. Er ist u.a. Mitglied im Government 2.0 Netzwerk e.V. und ist seit Juni 2011 der National Technology Officer von Microsoft Deutschland.

Eingereicht von auf 2. September 2011Kein Kommentar | 2.510 Aufrufe

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