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Nationaler Aktionsplan Open Data: Bericht vom Meilenstein-Workshop

1. Februar 2015 – 13:31 | Kein Kommentar | 12.259 Aufrufe

Die Bundesregierung hat im Juni 2013 die Open Data Charta der G8 unterzeichnet und sich damit zu konkreten Handlungsschritten verpflichtet. Mit einiger Verspätung wurde nun ein Aktionsplan Open Data unter Federführung des BMI entworfen, der diese …

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3 Fragen zum Open Government Camp 2011 an die Organisatoren. Heute: Mario Schreiner


1. Vom Gov20Camp2010 zum Open Government Camp 2011 – warum war die Änderung des Titels wichtig, welche Bedeutung hat die Änderung für Sie?

Die Änderung war wichtig, um dem eigentlichen Charakter und Geist des Camps gerecht zu werden. „Government 2.0“ mag vor kurzem noch den Nerv der Zeit getroffen haben, ist in unserer schnelllebigen Welt jedoch längst nicht mehr aktuell. Von transparenten Staaten, die Partizipations- und Kollaborationsmöglichkeiten bieten (Open Government also), können wir hingegen noch in hundert Jahren sprechen.

2. Was ist Ihr persönlicher Antrieb, sich für das Open Government Camp 2011 zu engagieren?

Es ist genau ein Jahr her, da hörte ich zum ersten Mal den Begriff „Open Government“. Zwei Wochen später fand ich mich als Helfer auf dem letztjährigen Bar Camp wieder, umgeben von Leuten voller Ideen und dem nötigen Tatendrang diese umzusetzen. Das Camp strahlte sofort eine ansteckende Energie auf mich aus und eröffnete mir mögliche Antworten für eine Fragestellung, die mich seit Beginn meines Politikstudiums nicht mehr los ließ.

Wie können wir der zunehmenden Kluft zwischen Politik und Bürgern und Bürgerinnen effektiv entgegenwirken? Ich hatte genug von frustrierten Mitmenschen, die sich nicht länger für die politischen Entscheidungsprozesse in unserem Land interessieren wollten, „weil die da oben ja eh nicht auf einen hören“. Ebenso wenig haltbar schien mir eine Politik, die ihre Bürger und Bürgerinnen nicht ernst nimmt und wiederholt Entscheidungen trifft, die fadenscheinig begründet werden und eher Partikularinteressen statt dem Gemeinwohl dienen. Das Konzept eines transparenteren Staates, der basierend auf modernen Informations- und Kommunikationsmedien mehr Möglichkeiten der Teilhabe und Mitwirkung zulässt, kam mir da gerade recht.

Um dies erfolgreich umzusetzen braucht es eine zivilgesellschaftliche Community mit Idealen und hohem Engagement. Zudem braucht es eine Verwaltung, die sich dem Wandel der Zeit bewusst ist und an die Chancen einer weiteren Öffnung des Staates glaubt. Beides haben wir (zu großen Teilen) in Deutschland. Nur verstehen sich beide Seiten nicht immer, obwohl sie grundsätzlich ähnliche Antriebe verbinden. Den Akteuren in unserer Verwaltung, die sich mit großem Einsatz bei knappen Ressourcen gegen strukturelle Widerstände für Open Government einsetzen, wird teilweise noch immer der nötige Wille abgesprochen. Auf der anderen Seite werden zivilgesellschaftlichen Akteuren, die sich mit ebenso großem Aufwand für ein anstrebenswertes Ideal einsetzen, oft finanzielle Motive unterstellt.

Daher braucht es das Open Government Camp. Denn hier kommen Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung zusammen, hören einander zu, diskutieren miteinander, lernen voneinander und schauen gemeinsam nach vorne. Was naiv klingen mag, habe ich im letzten Jahr so tatsächlich erlebt. Deshalb engagiere ich mich mit großer Freude für das Open Government Camp 2011!

3. Wie beurteilen Sie den Stand von Open Government in Deutschland, wie die Perspektiven?

Ich sehe den Stand von Open Government in Deutschland trotz erheblichem Nachholbedarf nicht so schlecht, wie man häufig hören kann. Dies liegt unter anderem daran, dass mich die sogenannten Vorreiter auch nicht vollkommen überzeugen. Sicher fehlt unserer Verwaltung (noch) die nötige Unterstützung und Antriebskraft durch die Politik, es gibt noch immer kein bundesweites Open Data Portal und viele Online-Beteiligungsmöglichkeiten erwecken eher den Eindruck von Scheinpartizipation. Doch nutzt mir ein unreflektierter Schnellschuss nichts, wenn dieser erhebliche Mängel aufweist oder die finanziellen Mittel im zweiten Jahr stark gekürzt werden. Daher will ich das leichte Hinterherhinken Deutschlands beim Thema Open Government als Chance begreifen, reflektierte Entscheidungen zu treffen und „es richtig machen zu wollen“. Der internationale wie zivilgesellschaftliche Druck wird eine zunehmende Öffnung des Staates ohnehin unaufhaltsam fördern. Die Tage obrigkeitstreuer Untertanen sind lange vorbei.

Mario Schreiner studiert derzeit im Master-Studiengang Public Management & Governance an der Zeppelin-University in Friedrichshafen. Dort ist er auch als studentischer Mitarbeiter am Deutsche Telekom Institute for Connected Cities unter Leitung von Prof. Jörn von Lucke tätig. Zuletzt absolvierte er ein Praktikum im Bundesministerium des Innern.

Eingereicht von auf 17. September 2011Kein Kommentar | 3.695 Aufrufe

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