„Nicht jede Verwaltung kann jedes Problem lösen!“
Neben dem bereits vorgestellten Maerker und dem entstehenden Mark-a-Spot gibt es eine Lösung, die an einigen Stellen schon einen Schritt weiter ist: handshake. Das kartenbasierte Tool entstand aus dem EU-Forschungsprojekt ‚Citizen Media’ an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Ausgangspunkt war die Frage, wie man Bürger dazu erreichen und motivieren kann, eine lokale Plattform für Anliegen zu nutzen. Stefan Göllner und Christian Kramer von ACT LOCAL haben uns die wichtigsten Fragen dazu beantwortet, wie es dazu kam, was daraus geworden ist und was sie grundlegend von dem Thema Anliegenmanagement halten.
Wo sehen Sie die Stärken von handshake?
Christian Kramer: Unser Tool ist keine Kopie von fixmystreet oder ähnlichen Projekten. Wir gehen weiter. Für uns ist ein ganz wichtiger Bestandteil, dass es nicht nur um eine andere Art der Kommunikation zwischen Verwaltung und Bürgern geht, sondern auch um den Austausch von Bürgern untereinander. Nicht jede Verwaltung kann jedes Problem lösen. An manchen Stellen braucht man auch nicht unbedingt eine Verwaltung, sondern es reichen engagierte Bürger. Bloß diese müssen erst einmal voneinander wissen und eine Plattform haben, auf der man sich finden kann.
Wie kam es zu handshake?
Stefan Göllner: Die Idee entstand im Forschungsprojekt an der Kunsthochschule für Medien, wir hatten in Köln das ‚Unortkataster’ gemeinsam mit einer Gruppe engagierter Bürger vom Leitbildprozess entwickelt und wollten noch einen Schritt weiter gehen. Das Unortkataster gab die Initialzündung, aus der wir viel gelernt haben.
Was ist seitdem passiert?
Stefan Göllner: Die EU als Fördermittelgeber und natürlich auch die Kunsthochschule für Köln hatten ein Interesse daran, dass das Projekt fortgesetzt wird. Wir haben dann auf Grundlage des damaligen Prototypen und den gesammelten Erfahrungen handshake konzipiert. Dabei mussten wir aber im Grund genommen das damalige System komplett neu denken – ganz wichtig waren dabei die hohe Anpassungsfähigkeit, gute Moderationsmöglicheiten und mehr Interaktionsmöglichkeiten für die Teilnehmer.
Wo geht die Reise hin?
Stefan Göllner: Eine Mobile Handshake App fände ich sehr spannend und für das Thema sehr relevant. Wir konzentrieren uns momentan aber erst einmal auf die Optimierung des Kernsystems.
Gibt es konkrete Anwendungsbeispiele?
Christian Kramer: Wir führen derzeit sehr gute Gespräche mit Stadtplanern, die in München zwei Projekte auf Basis von handshake realisieren wollen. Da geht es vor allem um die Entwicklung von Stadtvierteln, einer Weiterentwicklung von Quartiers-Management.
Bleibt es bei der Nutzung der Google Maps API oder ist Open Street Map eine Möglichkeit, die Sie in Betracht ziehen?
Stefan Göllner: Open Street Map ist eine Option. Wir haben mit Google Maps angefangen, damit viele Erfahrungen gesammelt und setzen deswegen noch auf Google Maps. Open Street Map ist aber nicht nur eine sehr sympathische Alternative, sondern in meinen Augen auch langfristig die bessere Wahl. Ein Umsteigen ist technisch durchaus möglich, hat aber – wie die mobile Applikation – aktuell nicht oberste Priorität.
Thema Lizenz – wie halten Sie es damit?
Stefan Göllner: Derzeit liegen alle Rechte bei uns. Open Source war immer eine wichtige Option. Bevor das passiert müssen aber noch offene Fragen geklärt werden, unter anderem: Art der Lizenz und Dokumentation. Wir werden diesen Schritt aber weiterhin ins Auge fassen.
Wer ist Act Local, an welcher Stelle kommen Sie ins Spiel bzw. verdienen damit auch Geld?
Stefan Göllner: Wir sind mit einem Forschungsinteresse gestartet, oberstes Ziel war aber immer eine pragmatische Lösung anzubieten, die in der Praxis bestehen kann. Dafür ist es wichtig ganz unterschiedliche Kompetenzen zusammenzuführen. Wir arbeiten mittlerweile im Team zusammen mit Entwicklern, Designern und Stadtplanungs- und Stadtmarketingexperten.
Das Tool ist die eine Sache, die Bürger müssen aber auch erfahren, dass es für ihre Stadt solch ein Tool gibt. Was sind da Ihre Erfahrungen?
Stefan Göllner: Das Beispiel Unortkataster in Köln hat gezeigt, dass die Medien unheimlich offen sind für diese Themen und auch frühzeitig mit einbezogen werden sollten – so konnten wir einen Großteil der Menschen erreichen. Hilfreich ist es natürlich, wenn sich, wie in Köln, auch der Bürgermeister des Projekts annimmt. Und man muss die Menschen erreichen, die ein solches Projekt auch aktiv nutzen. In Köln haben wir das z.B. mit einer Aktion erreicht, bei der wir riesige Markierungspunkte in der Stadt aufgestellt haben und so mit den Menschen direkt ins Gespräch gekommen sind und so viel Aufmerksamkeit erzeugen konnten. Das hat sehr gut funktioniert.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Jean-Pierre Winter.














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