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Open Data und Schule: Über den Nutzen offener Daten

13. April 2014 | Kein Kommentar | 800 Aufrufe

Der Autor, Claus Arndt, ist bei der Stadt Moers Referent des Bürgermeisters für E-Government und Neue Medien. Er leitet zudem den Fachdienst Zentrale Dienste und ist u. a. zuständig für den Web-Auftritt, Social Media und das Open Data-Portal der Stadt.

Claus Arndt bei Twitter: @derarndt

 

Moers - Open Data

Open Data goes Schule – in Moers.

Im Herbst letzten Jahres hat die Stadt Moers mit zwei E-Government-Studenten (Marc Macziejek alias @MMacziejek und Holger Lieske alias @holla1211) der Hochschule Rhein-Waal und dem Moerser Gymnasium Adolfinum ein Projekt gestartet, das den Nutzen von Open Data für den schulischen Unterricht verdeutlichen soll. In einer Studie von Fraunhofer Fokus für die Stadt Köln stand nämlich:

Der grundsätzlich breite Themenraum, den offene Verwaltungsdaten zu verschiedenen fachlichen Bereichen wie Geographie, Biologie oder Umweltthemen abstecken können, kann die Zielgruppe Bildung in ihrer Arbeit unterstützen, indem diese Daten für die Wissensvermittlung an Schulen genutzt werden können. Akteure des Bildungssektors haben durch offene Verwaltungsdaten die Möglichkeit, aus einer vertrauenswürdigen Quelle aktuelle Daten, wie etwa die Verteilung von Bodenschätzen oder Bevölkerungsdaten, interaktiv in den Unterricht einzubinden und so über den Tellerrand des zumeist eher statischen Unterrichtsmaterials zu blicken.“

Schnell hat sich gezeigt, dass die Aufgabe, die wir uns vorgenommen haben, in einer zwei- bis dreimonatigen Projektzeit nicht zu bewältigen ist. Dies hat verschiedene Gründe:

- Das zeitliche Kontingent der Studenten für dieses Projekt war begrenzt (das Studium lief ja parallel weiter).

- Das zeitliche Kontingent des beteiligten Lehrers war begrenzt (Unterricht, Klausuren, andere Projekte etc.).

- Der ursprüngliche Ansatz, sich im Fach Sozialwissenschaften mit dem Haushalt der Stadt Moers zu beschäftigen, hat sich als nicht umsetzbar erweisen (dazu später mehr).

wikifinum

Begleitet das Open-Data-Schulprojekt: das Wikifinum.

Offene Daten nicht = geeignete Daten

Viel Zeit wurde anschließend investiert, den XML-Haushaltsdaten der Stadt Moers auf openspending.org zu visualisieren, um im Unterricht damit zu arbeiten und insbesondere auch einen Vergleich zur klassischen PDF-Variante zu ziehen: Finden die Schülerinnen und Schüler über die Visualisierung einen einfacheren, aber dennoch qualifizierten Zugang zu Haushaltsthemen? Am Ende war es ein Satz mit X: Das war nix! Trotz der tollen Bereitschaft mehrerer Entwickler, die auf Hilferufe via Twitter und Facebook reagiert und anschließend programmiert haben, konnte aus der extrem komplexen XML-Datei keine CSV-Datei generiert werden, deren Struktur zu openspending.org gepasst hätte. Aktuell zeigt sich aber Licht am Horizont: Wir erwarten in Kürze den Eingang einer Datei, die in anderer Weise aus unserem Haushaltssystem exportiert wurde und die möglicherweise kompatibel ist (Daumen drücken!).

Seit Mitte März befinden sich die Studenten im Praxissemester bei mir und gehen das Projekt jetzt mit aller Macht an. Aktuell erarbeiten sie eine Plattform, mit deren Hilfe Wahldaten visualisiert werden können – ganz nach dem Vorbild der Berlinwahlkarte der Berliner Morgenpost. Dabei geht es auch darum, die Wahldaten mit anderen offenen Daten (z.B. demographische Daten) zu verknüpfen, um im Unterricht gezielt Bezüge herstellen zu können. Ganz wichtig ist uns dabei, dass wir nach Abschluss des Projektes eine nachhaltige Lösung haben, die wir auch anderen interessierten Schulen im Web zur Verfügung stellen können – ganz nach dem Vorbild von openspending.org (wer die beiden Studenten bei der Programmierung beistehen möchte, kann sich gerne melden…). Unterstützung beim Hosting erhalten wir dabei dankenswerterweise voraussichtlich von der Initiative Open Ruhr.

Es ist geplant, nach den Osterferien in zumindest eine Klasse zu gehen, um mit den Daten zu arbeiten. Auch hierbei sollen die Vorteile gegenüber den klassischen Wahlergebnispräsentationen herausgearbeitet werden. Unterstützt werden wir und die Schule bei dem Prozess von einem weiteren Studenten der Hochschule Rhein-Waal, der eine Bachelorarbeit zu den Usability-Aspekten der Umsetzung schreibt.

Probleme gibt’s nicht – nur Erkenntnisse

An vielen Ecken des Projektes stoßen wir auf kleinere und größere Probleme. Besser gesagt: Wir gehen auch bewusst problemorientiert vor, um in dem geplanten Vorgehensmodell/Abschlussbericht auf Schwachstellen hinzuweisen und eine To-do-Liste zu erstellen. Die Analyse von Wahldaten wird z.B. noch mehr Früchte tragen, wenn auch andere Behörden (Land, Arbeitsagentur etc.) relevante Daten offen zur Verfügung stellen. Auch die technische Ausstattung der Schulen kann in den Blickpunkt gerückt werden. Noch wichtiger erscheint aber, dass in den Lehrplänen zumindest ein wenig Platz dafür eingeräumt wird, sich dem Thema Open Data (Open Government) zu nähern. Und – ich sage es gerne immer wieder: Der Kulturwandel spielt auch in Schulen eine immense Rolle. Bisher lassen sich noch nicht viele Lehrerinnen und Lehrer auf solch innovative Themen ein (ein herzliches Dankeschön an Thomas Nolte – @tom_nolte!), obwohl sich mit hochaktuellen und lokalen Daten Bezüge zu vielen Fächern herstellen lassen: Sozialwissenschaften, Geschichte, Erdkunde, Mathematik, Informatik etc. Wenn es eine Robotik-AG an Schulen gibt – warum nicht auch einmal eine Open Data-AG?

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